Selektiv nach S/4HANA migrieren und Cloud-Optionen prüfen

Durch die aktuellen Rahmenbedingungen müssen S/4HANA-Projekte schnell und sicher umgesetzt werden, und Investitionen und Transformationen werden selektiver.

Von Ralf Schmidt (Scheer) wollte ich wissen, was er bei der S/4HANA-Einführung empfiehlt, welche Fehleinschätzungen er beobachtet und was man unbedingt vermeiden sollte. Er erläuterte auch, welche Unternehmen unbedingt Cloud-Optionen prüfen und bewerten sollten.

Herr Schmidt ist Gast eines Expert-Talks zur IT-Onlinekonferenz 2021 „SAP S/4HANA, SAP-Optimierung, Effizienzsteigerung und Digitale Transformation“ und berichtet dort gemeinsam mit Davidoff über die Transformation einer globalen SAP-Systemlandschaft.

 

Herr Schmidt, was sollten Unternehmen bei der S/4HANA-Einführung unbedingt beachten — und was vermeiden?

Ralf-SchmidtRalf Schmidt: Der Umstieg auf S/4HANA bietet den Unternehmen die “Once in a Lifetime” Chance, Prozesse und Systeme neu aufzusetzen. Diese Chance sollte nicht leichtfertig vertan werden – ganz gleich, ob man sich dafür entscheidet, dies auf einem Greenfield-Ansatz oder nach einer Conversion auf der dann neuen technologischen Basis zu tun.

Deshalb erachten wir es als sinnvoll, sich im Vorfeld dedizierte Gedanken über Prozessoptimierungen, Vereinfachungen und in vielen Bereichen auch über die Rückkehr von individuellen Anpassungen zum Standard zu machen. Hierzu bietet die Scheer eine Vorstudie, die nach jeweiligem Kundenwunsch konfektioniert werden kann – auch zum Festpreis.

Transformationen sind immer mit internen “Schmerzen” verbunden. Deshalb ist – wie bei jedem Projekt – unbedingt der “Change-Management” Prozess von Anfang an im Gesamtprojekt zu integrieren.

 

Was sind die Herausforderungen, wenn man den S/4HANA-Umstieg mit einer Prozessoptimierung verbinden will?

Die Prozessoptimierung bietet die Chance, „alte Zöpfe“ abzuschneiden und sich wieder an den Anforderungen des Kunden / des Marktes neu auszurichten. Über das Alignment zwischen Business und IT gilt es, anhand der für das Business wesentlichen Haupterfolgsfaktoren die erforderlichen (End-to-End-) Prozesse zu optimieren und die passenden SAP-Lösungskomponenten einzusetzen.

Eine sehr große Herausforderung bei Projekten der Prozessoptimierung im Zusammenhang mit der Transformation nach SAP S/4HANA: die teilweise gegensätzlichen Ziele der Optimierung der jeweiligen Bereichsprozesse sowie der Optimierung der End-to-End-Prozesse unter Beachtung von harmonisierten Prozessen über alle Geschäftsbereiche hinweg – und dies möglichst nahe am SAP-Standard.

Hier sind Berater gefragt, die eine hohe Prozess- und Branchenkompetenz kombiniert mit einem sehr tiefen, aber auch integrativem SAP Know-how aufweisen. Diese Kombination zeichnet die Scheer-Consultants seit mehr als 20 Jahren aus.

 

Welche Transformationsansätze präferieren Sie — und welche Rolle spielt die „Cloud“?

Die Erfahrung zeigt, dass es bezüglich der Transformationsansätze selten das reine Green- oder Brownfield-Projekt gibt. Die Lösung liegt in den meisten Fällen irgendwo dazwischen und wird farbenneutral auch Selektive Daten-Transformation bezeichnet. Scheer kooperiert hier mit Partnern aus der technischen Transformationswelt, die die Prozess- und SAP-Kompetenz mit bewährten Tools ergänzen.

Die Cloud – als Public oder Private Cloud – sollte im Rahmen einer Vorstudie immer betrachtet werden. Der Umstieg in die Cloud bietet gerade für Unternehmen, die sich auf einem starken Wachstumspfad befinden, viele Potentiale im Sizing der Lösung, die die Skalierbarkeit für spätere Erweiterungen gewährleistet.

Zusätzlich ist hier auch die Möglichkeit des Einsatzes der Public Cloud (multi-tenant) zu evaluieren, die durch die starke Standardisierung der SAP-Lösung eine Beschleunigung in der Einführung mit sich bringt.

Scheer präferiert den für den jeweiligen Kunden besten Weg – dieser ist in jedem Fall individuell. Eine erste Tendenz lässt sich nach wenigen Kriterien schon herausfinden.

 

Welche Fehleinschätzungen beobachten Sie in S/4HANA-Projekten?

Zum einen bietet, wie bereits erwähnt, der Umstieg auf SAP S/4HANA eine große Chance, alles neu zu gestalten. Hier werden die Projekte mit zu vielen Themen in zu geringen Zeiträumen überfrachtet. Es wird häufig überschätzt, was das eigene Unternehmen in der Lage ist, innerhalb eines begrenzten Zeitraums mit vorhandenen Kapazitäten zu leisten.

Genauso sehen wir aber auch das andere “Extrem”. Hier wird versucht, so schnell wie möglich auf die neue Datenbank zu wechseln, ohne die sich bietenden Potentiale zu nutzen. Dies geschieht häufig auch, weil das Transformationsprojekt rein IT-getrieben ist oder der Fokus in diesen Zeiten auf anderen Themen liegt.

 

Was erfahren wir von Ihnen bei der IT-Onlinekonferenz 2021?

Wir zeigen Ihnen den erfolgreichen Weg einer SAP S/4HANA Greenfield Implementierung – die eine der ersten mit SAP S/4HANA war. Basis und ein wesentlicher Erfolgsfaktor für das Projekt war damals eine Vorstudie, die Scheer noch heute seinen Kunden in dieser Form als Basis für die S/4HANA Transformation empfiehlt.

Passend hierzu stellt die SNP, unser Partner bei SAP-Transformationen, vor, wie im Rahmen dieser Vorstudien faktenbasiert die Ausgangssituation mit ihren IT-Tools analysiert, erste Ableitungen für die zukünftige Lösung getroffen und Implikationen für die Roadmap nach SAP S/4HANA erstellt werden.

 

Was wird 2021 das dominierende Thema in der SAP-Community?

Selektiv!

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Helge Sanden, Chefredakteur des IT-Onlinemagazins.

 

Ausführliche Informationen bei der IT-Onlinekonferenz 2021:

ITOK21 IT-Onlinekonferenz 2021Sie können diesen und alle Beiträge der #ITOK21 live (25.01. – 28.01.) oder als Aufzeichnung verfolgen und eigene Fragen an die Experten stellen.

Bei der IT-Onlinekonferenz geben SAP-Kunden vier Tage lang Erfahrungsberichte aus S/4HANA-Projekten und SAP-Optimierungen. Zusätzlich gibt es vielfältige Interaktions- und Networking-Möglichkeiten.

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