Silent Continuous Change ermöglicht Transformation komplexer SAP-Landschaften

COVID-19 hat eindrucksvoll gezeigt, wie geschäftskritisch Reaktionsfähigkeit ist. Wieviel Zeit bleibt, um auf gestiegenen Wettbewerbsdruck oder auf Änderungen des Kundenverhaltens zu reagieren? Ist der Anpassungsdruck nicht längst chronisch?

Von Patric Dahse (Geschäftsführer | Natuvion) wollte ich wissen, was er bei der S/4HANA-Einführung und Transformation empfiehlt, was er unter „Silent & Continuous Change“ versteht und was man unbedingt vermeiden sollte.

Herr Dahse ist Gast eines Expert-Talks zur IT-Onlinekonferenz 2021 „SAP S/4HANA, SAP-Optimierung, Effizienzsteigerung und Digitale Transformation“ und berichtet dort gemeinsam mit Alexander Jung (Head of Business Transformation | Itelligence) aus aktuellen Kundenprojekten.

 

Herr Dahse, was sollten Unternehmen bei der S/4HANA-Einführung unbedingt beachten — und was vermeiden?

patric dahse NatuvionPatric Dahse: Das A und O einer erfolgreichen Transformation ist die Abwägung aller Option und der damit verbundenen Potentiale und Ziele. Ein belastbares Transformationsszenario setzt eine fundierte Ist-Analyse auf Basis aller Prozesse und Daten voraus. Nur so bekommt man belastbare Aussagen zu Kosten, Aufwänden und Ressourcen. Und natürlich können alle Aufgaben gezielter und geplant umgesetzt werden.

Wer auf Basis von „Annahmen“ bereits einige Optionen ausschließt, verschenkt wahrscheinlich Potentiale und bezahlt das über höheren Anpassungskosten.

Ein Beispiel: Ein zentrales ERP-System wird im Zuge einer System-Konvertierung auf S/4HANA 1909 gehoben — alle Daten und eine geringe Prozessadaption. Die Nadel zeigt also klar auf System-Conversion. Parallel zu diesen Aktivitäten wird eine Implementierung von SAP ILM realisiert. Daten, die außerhalb der Residenz liegen, sowie Datenreste von vorangegangenen Datenübernahmen, müssen im Rahmen dieser Einführung berücksichtigt oder separat bereinigt werden.

Wendet man hier eine Selective Data Transition an, so könnte man die ILM-Einführung mit der S/4HANA Einführung verschmelzen und nur für Residenzprozesse anwenden die im produktiven Betrieb auch fortlaufend genutzt werden.

 

Was verstehen Sie unter einem „Silent & Continuous Change“?

Datenmigrationen macht niemand zum Selbstzweck. In der Regel sollen IT-Landschaften modernisiert werden. Und die bestehen nicht selten aus bis zu mehreren Hundert einzelnen Applikationen unterschiedlicher Hersteller. Egal ob Cloud, on premise oder hybride Lösungen und alle auf den unterschiedlichsten Ebenen integriert! Bei einer Datenübernahme bzw. Datenintegration müssen sie alle berücksichtigt werden. Und das möglichst ohne Ausfallzeit, denn in Zeitalter der Digitalisierung werden Produkte rund um die Welt gehandelt.

Gott sei Dank modernisieren sich nicht nur die IT-Landschaften, sondern auch die Methoden zu Datenmigration. Datenübernahmen im laufenden Betrieb sind mit modernen Architekturen und neuen Konzepten möglich. Neue Ansätze reduzieren Transformationszeiten für komplexe Restrukturierungen auf Minuten. Auch wellenweise Datenübernahmen nach funktionalen Selektionskriterien, jenseits der Organisationsstruktur, sind möglich.

Die Optionen sind selbstverständlich abhängig vom jeweiligen Szenario und der individuellen Infrastruktur. Dennoch haben wir heute deutlich mehr Möglichkeiten als noch vor zwei Jahren. Und die Zukunft wird eine noch stärkere Standardisierung in diesem Umfeld bringen.

 

Welche Fehleinschätzungen beobachten Sie in S/4HANA-Projekten? 

Einen Punkt haben wir eben schon angesprochen: Das Fehlen fundierter und belastbarer Analysen als Grundlage für das Projekt!

Aktuell beobachte ich häufiger hoch-komplexe Transformationsprojekte, die für sich betrachtet schon wirklich kniffelig sind. Diese werden dann noch kombiniert mit einem Infrastrukturwechsel – zum Beispiel von on premise in die Cloud – und einem Plattformwechsel.

Das sind selbst für erfahrene und eingespielte IT-Expertenteams echte Herkulesaufgaben mit tausenden von abhängigen Tasks. In einigen Fällen beobachte ich, das Teams eigene Kapazitäten überschätzen und gleichzeitig unterschätzen, wie wichtig Change-Management ist. Auch dem stringenten Cut-over-Management wird noch zu wenig Bedeutung beigemessen.

 

Was erfahren wir von Ihnen bei der IT-Onlinekonferenz 2021?

Am Beispiel eines der größten deutschen Digitalisierungsprojekte möchten wir folgende Punkte zeigen:

  • Welche Möglichkeiten bietet die heutige Datenmigration & Transformation?
  • Wie wird sie sich unserer Meinung nach weiter entwickeln?
  • Warum ist das Zusammenspiel von Businessanforderungen und Technik ein zentraler Erfolgsfaktor?

Außerdem werden die Teilnehmer einen guten Überblick über Optionen und Erfolgsfaktoren bei der Datenübernahmestrategie gewinnen.

 

Was wird 2021 das dominierende Thema in der SAP-Community?

„Standardisierung“ des Transformationsprozesses und Roll-Out

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Helge Sanden, Chefredakteur des IT-Onlinemagazins.

 

Ausführliche Informationen bei der IT-Onlinekonferenz 2021:

Sie können diesen und alle Beiträge der #ITOK21 live (25.01. – 28.01.) oder als Aufzeichnung verfolgen und eigene Fragen an die Experten stellen.

Bei der IT-Onlinekonferenz geben SAP-Kunden vier Tage lang Erfahrungsberichte aus S/4HANA-Projekten und SAP-Optimierungen. Zusätzlich gibt es vielfältige Interaktions- und Networking-Möglichkeiten.

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