Transformation World: Empfehlungen für den Weg Richtung S/4HANA

Transformation World 2016 Helge SandenDie Transformation World in Heidelberg entwickelt sich zu einer wichtigen SAP-Community Veranstaltung für Transformation und Digitalisierung. Rund 50 Referenten gaben den rund 300 Besuchern Praxisberichte und Impulse für die Konsolidierung, Standardisierung und Modernisierung von SAP-Systemlandschaften und best-practices für das Management von Systemverschmelzungen durch Zukäufe und Systemtrennungen bei carve-outs. Frank Niemann – vom Analystenhaus PAC – und die SNP-Experten Jörg Kaschytza, Michael Dirks und Johannes Hurst diskutierten mit IT-Onlinemagazin Chefredakteur Helge Sanden, welche Vorteile S/4HANA bringen, wie man eine über Jahre gewachsene Systemlandschaft dahin transformieren und wie man S/4HANA betreiben kann.

 

Beweggründe für S/4HANA: eher evolutionär als disruptiv

Frank Niemann berichtete über aktuelle Ergebnisse einer PAC-Studie mit über 100 interviewten SAP-Kunden: hauptsächliche Beweggründe für den S/4HANA Einsatz sind demnach der Wunsch der Beschleunigung von Prozessen und Analysen, die Modernisierung der SAP-Anwendungen, die Transformation in Richtung Realtime und die Erkenntnis, dass man früher oder später eh auf die S/4HANA Business Suite wechseln müsse. Bemerkenswert dabei: Die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle oder Kostensenkungsbemühungen haben nur untergeordnete Wichtigkeit für eine Entscheidung.

Jörg Kaschytza berichtete über Erfahrungen aus Workshops, Gesprächen und Projekten zu S/4HANA und die große Unsicherheit der SAP-Kunden, was den Reifegrad der S/4HANA Lösungen angeht, wo Chancen und Risiken liegen, wie die weitere Produktstrategie der SAP ist und insbesondere, welche organisatorischen und prozessseitigen Änderungen mit einem S/4HANA Einsatz einhergehen würden. Die Innovationspotenziale durch S/4HANA werden zwar gesehen, die Zwänge, die der Generationenwechsel mit sich bringt allerdings auch. Er empfahl, sich jetzt diesen Fragen zu stellen und sie nicht auf die lange Bank zu schieben, denn insbesondere bei komplexen Systemlandschaften sind die vorzubereitenden Maßnahmen und Abhängigkeiten vielfältig.

Michael Dirks ergänzte, dass der Weg zu S/4HANA nicht einfach ein Releasewechsel wie von 4.7 nach ECC6.0, sondern ein Technologiewechsel und vor allem einen grundlegenden Wechsel des Datenmodells mit sich bringt. Es ist aus seiner Sicht wichtig, von vornherein Klarheit über die Möglichkeiten des Weges nach S/4HANA zu bekommen und sich frühzeitig zur Roadmap für die Transformation auf die neue SAP Plattform Gedanken machen.

 

Empfehlung: Migration nach S/4HANA unbedingt mit dem Solution Manager

Johannes Hurst sieht im SAP Solution Manager ein elementares Hilfsmittel für einen Umstieg auf S/4 HANA, weil er neben einem vorbereitenden Custom Code Check, die Aktivierung von Inhalten auch einen schnellen Einstieg in die Lösungsdokumentation ermöglicht. Wer das Produkt noch nicht im Einsatz hat, sollte aus seiner Sicht jetzt die Nutzung planen.

Wer eine ältere Version einsetzt, sollte den Umstieg auf Version 7.2 planen. Dieser sollte vergleichsweise einfach möglich sein, wenn man vorrangig operative Themen – wie Incident Management oder Change Request Management – darüber abbildet. Größerer Vorbereitungs- und Planungsbedarf wird jedoch nötig, wenn Projekte, Geschäftsprozesse und Testfälle aktiviert oder migriert werden sollen. Sein Tipp zum Solution Manager 7.2: Nicht nur einfach migrieren, sondern auch die neuen Funktionen im Hinblick auf S/4HANA nutzen – ferner sieht er ein „muss“ für den Solution Manager Einsatz bei jedem S/4HANA Umstellung, weil neben den anderen genannten Vorteilen mit S/4 Activate Content und Methodik für eine S/4HANA Umstellung kostenfrei von der SAP geliefert wird.

 

Die S/4HANA Pläne von SAP Anwenderunternehmen

Laut der PAC-Studie haben 41% haben konkrete Pläne für eine S/4HANA Einführung, davon führen 14 Prozent gerade ein oder haben schon S/4HANA im Einsatz. Weitere 15% wollen 2-4 Jahren umsteigen, der Rest will kurzfristig oder erst viel später wechseln. Viele Unternehmen sind noch unschlüssig, 34 Prozent diskutieren noch eine mögliche Einführung, rund ein Viertel der SAP-Anwenderunternehmen hat derzeit kein Interesse an einer möglichen Einführung.

Fast die Hälfte der Unternehmen will, so Frank Niemann, eine schrittweise technische Migration, etwa ein Viertel eine schrittweise Transformation (Brownfield) und ein weiteres Viertel will eine Neuimplementierung auf der grünen Wiese (Greenfield) durchführen. Die Mehrheit der befragten Unternehmen will möglichst alle Systeme auf S/4HANA bringen.

 

S/4HANA Migrationspfade

Michael Dirks beschrieb drei wichtige Migrationspfade:

Eine Conversion ( SUM/DMO) ist aus SNP-Sicht im Wesentlichen ein 1:1 Upgrade eines bestehenden Systems oder einer Systemlandschaft. Dies stellt seiner Meinung nach häufig keine wirkliche Option dar, da funktionale oder strukturelle Veränderungen an den Systemen nicht möglich sind. Themen wie “New GL“ oder „Central Finance“ ließen sich hierüber nicht einführen.

Der Greenfield Ansatz inclusive Transformation der Daten ist nach seinen bisherigen Erfahrungen und Gesprächen mit Kunden oft keine Option, weil SAP-Kunden in ihre bestehenden Systeme viel Knowhow und Geld investiert haben, das unter dem Aspekt des Investitionsschutzes möglichst erhalten werden soll.

SNP sieht daher im Brownfield Ansatz und in Verbindung mit einer Transformation den besten Weg. Auch unter dem Aspekt der Flexibilität, d.h. der Verbindung des S/4HANA Projekts mit Themen wie Konsolidierung, Cleansing, Veränderungen der Unternehmensstruktur oder auch der Prozesse bietet dieser Weg die meisten Möglichkeiten.

 

Beispiel für S/4HANA Brownfield Migration

Beispiel für den Brownfield Ansatz ist ein PoC der gemeinsam mit Siemens durchgeführt wurde. Ein bestehendes ECC6.0 System wurde als Shell genommen, auf S/4HANA migriert und anschließend NewGL und weitere Prozessveränderungen vorgenommen. Dann wurden mit Toolunterstützung (SNP T-Bone) die Daten aus dem Altsystem in das neue S/4HANA System, inclusive aller notwendigen Transformationen, migriert und auch die Historie der Bewegungsdaten berücksichtigt.

 

Toolunterstützung bei S/4HANA Migrationen oft unausweichlich

Der Einsatz einer Transformationssoftware (zum Beispiel SNP T-Bone) bietet insbesondere eine standardisierte und erprobte Vorgehensweise bei der Transformation nach S/4HANA. Damit sind nach Angaben von SNP Vorteile gegenüber individuellen Lösungen hinsichtlich Risikominimierung und Revisionssicherheit, aber auch Zeit-, Kosteneinsparung, sowie Ressourceneinsatz verbunden. Auch Themen, wie historische Daten, also abgeschlossene Belegflüsse, gerade bei lang laufenden Aufträgen oder Projekten im System, spielen demnach eine immer wichtigere Rolle. Auch die immer kürzer werdende Möglichkeit von Downtime während eines Go Live und die Notwendigkeit, diese auf nahezu null zu bringen, stellen eine zusätzliche Herausforderung dar, die in der Regel in Summe eine Toolunterstützung erforderlich macht.

 

Betriebsoptionen für S/4HANA: on-premise, Cloud, hybrid?

Laut PAC-Studie bevorzugen die SAP Anwenderunternehmen – wenig überraschend – den on-premise Betrieb, aber ein Mischbetrieb aus In-House, SAP-Hosting und Cloud-Betrieb ist durchaus für Unternehmen eine Option: 72 Prozent präferieren on-premise, 42% das SAP-Hosting, 33 Prozent die hybrid Cloud, also die Mischung aus On-Premise und Cloud und 28 Prozent einen reinen Cloud Betrieb.

Johannes Hurst beobachtet, dass in S/4 HANA Projekten oft begleitend über die Zentralisierung und Konsolidierung von Systemen nachgedacht wird, die dann neue IT Prozesse und ein neues Betriebsmodell erforderlich machen.

Laut Jörg Kaschytza sprechen die Kunden in der überwältigenden Mehrheit erstmal von On-Premise. Entscheidend sei für viele Kunden nicht nur wo die Daten künftig gehalten werden, sondern auch welchen Grad der System-Governance man sucht.

 

Zusammenfassende Empfehlungen für S/4HANA Vorhaben

SNP Transformation World Podiumsdiskussion
Michael Dirks, Johannes Hurst, Helge Sanden, Frank Niemann, Jörg Kaschytza (v.l.n.r.)

Johannes Hurst empfahl, möglichst früh Daten und Informationen zu sammeln und zu analysieren wo man hin möchte, rechtzeitig und vorbereiten den Solution Manager bereitzustellen und an die Betriebsprozesse zu denken.

Michael Dirks mahnte, den Umstieg auf S/4HANA nicht als Datenmigration zu verstehen, sondern dieses Vorhaben als eine Transformation zu betrachten.

Frank Niemann empfahl, sich mögliche Innovationspotenziale von S/4HANA aufzeigen zu lassen, um Potenziale für Weiterentwicklungen im Bereich Technologie und Business nicht zu verschenken – und nicht nur den technischen Release-Wechsel, sofern überhaupt möglich, durchführen.

Jörg Kaschytza brachte es auf den Punkt: „Unbedingt vorher überlegen, nicht hinterher! Und das am besten jetzt.“

 

Das IT-Onlinemagazin ist Medienpartner der Transformation World 2016.

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