Warum Business und IT nur gemeinsam stark sind

Die Unsicherheit, wie disruptiv man Veränderungen im Geschäftsmodell und der eigenen Organisation angeht, ist hoch. Wenn die Bereitschaft vorhanden ist, bleibt jedoch oft noch die Frage nach dem „wie“.

Wir fragten Sonja Stäglich (Partnermanagerin SAP | Deutsche Telekom) und Otto Schell (CEO/Founder IGDCR | Institute for Global Digital Creativity and Relevance), was Entscheidern im Transformationsprozess helfen kann.

Bei der IT-Onlinekonferenz (16.-19.05.22) berichten beide, warum ein ganzheitliches Vorgehen, ein Trusted Advisor mit Business- und IT-Sicht sowie Skalierbarkeit durch etablierte Partnerschaften ein Muss für die aktuellen Herausforderungen sind. Hier registrieren …

 

Frau Stäglich, was beobachten Sie bezüglich der Transformation von SAP-Kunden?

Sonja-StäglichSonja Stäglich: Die Notwendigkeit der Transformation ist bei unseren Kunden angekommen, das zeigen die Projektanfragen. Die Kunden setzen sich intensiver mit den Chancen auseinander, sind jedoch unschlüssig in der Art und Weise der Umsetzung.

Wir stellen in vielen Projekten fest, dass Business und IT nicht partnerschaftlich genug zusammenarbeiten. Idealerweise bilden sich funktionsübergreifende Teams oder IT-Mitarbeiter werden in die Geschäftsbereiche eingebunden. Die Telekom kann hierbei ein „Trusted Advisor“ sein, der die Aufgaben und Mehrwerte sowohl aus Business- als auch aus IT-Sicht betrachtet.

 

Mut zur Transformation und hohe Geschwindigkeit

Was fehlt Entscheidern bei den anstehenden Transformationen?

Otto Schell: Zum einen der Antrieb, zum anderen das Ziel. Ziel im Sinne, wohin die Transformation führt, in neue Geschäftsmodelle, Abhängigkeiten in Netzwerken oder ins Abseits, weil jemand anders schon in den Startlöchern steht.

Heißt: Es fehlt der Mut im Unbekannten zu agieren. Umgekehrt fehlt der Antrieb, weil die Geschäfte im Jetzt ja laufen und Investitionen in die Zukunft mit Sicherstellung oder Optimierung verwechselt werden.

Sonja Stäglich: Unternehmen wissen oft nicht, wo sie ansetzen sollen. Es ist eine mentale Umstellung gefragt, ein anderes Denken. Viele fragen sich: wo verliere ich Knowhow, wenn ich Daten teile? Unternehmen müssen eine andere Geschwindigkeit ansetzen, aber leider harren sie allzu gern an alten Mustern fest. Es ist also vor allem die Unsicherheit, was zuerst angepackt werden soll und wie.

Deswegen ist es, mit Blick auf eine anstehende Transformation, wichtig, gemeinsam mit einem Trusted Advisor ein klares Bild über die derzeitige Ist-Situation, die möglichen Migrationsszenarien, den bevorstehenden, personellen Migrationsaufwand und der Betriebsform zu zeichnen.

 

Wie findet man den passenden Grad der Disruption?

Otto-Schell-IGDCROtto Schell: Unsere Zielvereinbarungen sind auf einen Zeitraum von zwölf Monaten ausgerichtet. Und wir diskutieren lieber über Öffnungszeiten, anstatt über 24/7-Service nachzudenken. Wenn man sich fragt, wann wir in Deutschland die letzte Metropole aus dem nichts gebaut haben, findet man Distribution in Asien oder bei Einzelnen wie E. Musk.

Zur Disruption gehört es, sich selbst und die Umgebung permanent zu hinterfragen — und anders vorausschauend zu denken.

 

Was erfahren wir von Ihnen bei der ITOK22 im Mai?

Sonja Stäglich: Warum es für jeden Unternehmer wichtig ist, mutig zu sein. Veränderungen als Impulse aktiv zu nutzen, um die Zukunft erfolgreich zu gestalten.

Und zweitens: Wie die Deutsche Telekom dabei unterstützen kann. Wir befinden uns seit Jahren in einem Wandel und haben dadurch viel Erfahrung sammeln können — vom ehemaligen staatlichen Telekommunikationsanbieter zu einem führenden digitalen Telko-Anbieter in Europa: Digitalisierung einfach machen. Hier registrieren …

Otto Schell: Good news, da „alle in der Warteschleife“ sind, bad news „da alle in der Warteschleife“ sind. Das heißt: Es reicht nicht zuzuhören oder Projekterfolge zu teilen, sondern wir müssen offen hinterfragen, ob das genug ist, um relevant zu sein. Wenn dieser Dialog startet, fange ich an zu erwarten.

 

Ganzheitliche Betrachtung und Zukunftsmodell

Was empfehlen Sie SAP-Verantwortlichen, die Business und IT verschmelzen wollen?

Sonja Stäglich: Jede Entscheidung muss von allen Seiten betrachtet werden, sowohl von der technischen als auch von der operativen und der strategischen Seite.

Man muss sich die Frage stellen: wie kommt das Unternehmen aus einer klassischen SAP-Release-Welt in eine agile dynamische Welt? Das Unternehmen muss nicht nur aus der Anwenderperspektive betrachtet werden, sondern die gesamte Wertschöpfungskette inkl. Partner und Lieferanten.

Otto Schell: Digitalisierung unterscheidet nicht, es ist unser altes Rollenverständnis. Wenn wir von agil, künftigen Work-Forces reden, werden die Grenzen verschwinden, da mit KI, Blockchain oder VR andere Player dazukommen und Abläufe entscheidend verändern werden. Von daher empfehle ich, in Richtung Zukunftsmodell zu denken und unabhängig der Lösung dem Unternehmen einen real-time und service-orientierten Schnitt zu geben.

 

Was wird in den nächsten zwölf Monaten das dominierende Thema in der SAP-Community?

Sonja Stäglich: Wir erleben gerade, dass sich unsere Kunden verstärkt mit der ERP-Transformation auseinandersetzen. Speziell hier die S/4HANA-Einführung, ob Brownfield oder Greenfield. In diesem Kontext auch RISE, auf das der Markt bisher zurückhaltend reagiert. Auch die Entscheidung, on-Prem oder in der Cloud ist eine abzuwägende strategische Entscheidung, mit der die Unternehmen sich intensiv beschäftigen. Mit einhergehenden Themen rund um Prozessautomatisierungen und natürlich Cybersecurity, also Datenschutz und -sicherheit.

Otto Schell: Aus meiner Sicht wird sich die Diskussionsgrundlage verändern. Unternehmen werden, je länger sie zögern und von einem „Release zum Anderen“ gehen, hybride Szenarien angehen, da sie eh hybrid werden müssen.

Und dann geht es nicht mehr um den Mehrwert einer Lösung gegenüber der anderen, sondern um Geschwindigkeit. Denn unabhängig der Lösung, werden Unternehmen auch mit Komplexität klarkommen müssen. Heißt auch, dass vormalige Merkmale wie Integration nicht mehr die Rolle spielen, sondern schnelle und effiziente Umsetzung in einem erheblich geringeren Kostenrahmen.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Helge Sanden, Chefredakteur des IT-Onlinemagazins.

 

Impulse zur Transformation bei der ITOK22:

Sie können diesen und alle Beiträge der #ITOK22 live (16.– 19.05.22) oder als Aufzeichnung (sofern Sie sich für den jeweiligen Expert-Talk registriert haben) verfolgen und eigene Fragen an die Expertinnen und Experten stellen.

Beim achten Gipfeltreffen der SAP-Community geben SAP-Kunden vier Tage lang Erfahrungsberichte zu SAP S/4HANA- und Cloud-Transformationen, Business- und IT-Automatisierung und zu Veränderungen der IT-Organisation. Am 19. Mai dreht sich ein ganzer Tag um Cyber- und SAP-Sicherheit.

SAP-Kunden wie Atruvia, BayWa, DATEV, Deutsche Börse, Evonik, GTÜ Gesellschaft für technische Überwachung, Kaeser Kompressoren, Open Grid Europe, SPAR Österreich und andere berichten.

 

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