Was bringt eine „Cloud First“ Strategie und welche Vorteile hat ein „Ende-zu-Ende“ Ansatz?

Der Umstieg auf S/4HANA ist ein Technologie- und Plattformwechsel, der die Business- und IT-Landschaft verändern und in vielen Unternehmen auf Jahre prägen wird.

Von Rainer Verst und Uwe Quattländer (beide T-Systems) wollte ich wissen, wann eine „Cloud First“ Strategie für Unternehmen Sinn macht, wo dabei die Herausforderungen liegen, warum ein Ende-zu-Ende Ansatz bei Digitalisierungsvorhaben vorteilhaft ist und wann man SAP Leonardo braucht.

Beide Herren sind Gäste eines Expert-Talks zur Onlinekonferenz 2019 „Der Umstieg auf SAP S/4HANA – wie machen es andere Unternehmen?“ und berichten anhand von Kundenbeispielen aus dem Automobilsektor und eines Logistikunternehmens, worauf man achten sollte und welche Empfehlungen sich ableiten lassen.

Für den Expert-Talk mit Rainer Verst und Uwe Quattländer registrieren … (30.01.19 um 15 Uhr – oder später Aufzeichnung ansehen) 

 

Herr Verst, was verstehen Sie unter „Cloud First“-Strategie und für welche Unternehmen ist das besonders geeignet?

rainer_verstRainer Verst: „Cloud-first“ bedeutet für mich, wie auch für die meisten meiner Kunden, sich die neuesten Services und Features schnellstmöglich nutzbar zu machen, um sich Wettbewerbsvorteile gegenüber den Marktbegleitern zu sichern. Unternehmen erhalten durch Nutzung von Cloud-Diensten sehr schnell Zugriff auf innovative Services die sie aus eigener Kraft nur sehr langsam, oder aber auch gar nicht verfügbar machen könnte.

Dass das zunehmend so ist, zeigt z.B. SAP mit Leonardo oder aber auch Google mit innovativen und einfach zu konsumierenden Diensten wie Datalab. Konkret geht die Cloud-first Strategie bei einigen Kunden soweit, dass Projekte grundsätzlich mit Cloud-Diensten umgesetzt werden müssen. Nur wenn explizit nachgewiesen wird, dass die Cloud keine Option ist, darf man Alternativen nutzen. Dieser Beweis fällt bei einer stetig wachsenden Anzahl von Cloud Services zunehmend schwerer.

Prinzipiell ist die Strategie für alle Unternehmen geeignet. Allerdings sind einige Firmen, insbesondere solche mit hoheitlichen Aufgabenstellungen, oder dort, wo es um sehr schützenswerte Informationen geht, eher zurückhaltend. Dies liegt in einem vermeintlichen Kontrollverlust begründet, den diese Firmen in Cloud Lösungen sehen.

Das ist sicherlich nachvollziehbar, aber auch für solche Anforderungen gibt es bereits passende Lösungen im Markt. Eine Abteilung nutzt beispielsweise für seine Kundenanwendungen eine Public-Cloud-Lösung wie die Open Telekom Cloud, die auf Grundlage deutschen Rechts, Cloud Infrastrukturen anbietet. Andere bevorzugen die Private-Cloud für ihre internen schutzbedürftigen CRM- oder HR-Anwendungen von SAP. Für annähernd jede Business Anforderungen, gibt es die passende Cloud Lösung.

 

Welche Herausforderungen muss man dann meistern?

Rainer Verst: Jeder Kunde muss ich die Frage stellen, warum und für was er denn Cloud-Dienste einsetzen möchte. Hier ist eine Ist-Analyse und eine daraus abgeleitete Roadmap essenziell. Der eine sieht die enorme Agilität, der andere die Kosteneinsparungen im Vordergrund.

Geht es um Letzteres, muss man sehr genau hinschauen, denn die vermeintlich günstigen Ressourcen müssen in einem SAP-spezifischen Setup eingesetzt werden. Und da werden dann schnell mal zusätzliche Elemente notwendig, um z.B. Cluster zu bilden, die teilweise über Regionsgrenzen hinweg eine Lösung für Katastrophenfälle bilden sollen.

Hier ist ein erfahrener Partner, der sowohl die technische, als auch die geschäftliche Seite versteht eine große Hilfe. Denn nichts ist schlimmer, als eine vermeintlich effektive Lösung, die dann aber nicht den SAP Vorgaben entspricht und keinen Support erhält.

 

Herr Quattländer, was meinen Sie mit einem „Ende-zu-Ende“-Ansatz und warum kann der Vorteile haben?

quattlaenderUwe Quattländer: Die Produkte aus dem Offering der SAP sind technologisch und funktionell nicht mehr zu trennen. Das erinnert an die Strategie von Apple, wobei im Falle von SAP S/4HANA die HANA DB Technologie fest mit der Applikationsfunktionalität in einer Art Produkt-Symbiose verbaut ist.

Damit besteht für Kunden grundsätzlich nun auch verstärkt der Bedarf, funktionelle sowie technologische Projekte & Services, gesamtheitlich aus Sicht Ende-zu-Ende zu betrachten. Ein Beispiel ist die notwendige Architekturberatung bzgl. Sizing oder auch Performance, die im Rahmen einer z.B. S/4HANA Einführung eine immer wichtigere Rolle spielen.

Bei T-Systems greifen wir für SAP End-2-End Services auf die Methodik des Cloudifiers zurück. Gegenstand dieses Ansatzes ist dabei nicht nur die E2E-Betrachtung einer Softwarekomponente „im Inneren“, sondern eben auch die gesamtheitliche IT-Landscape wie von Herrn Verst zuvor geschrieben.

 

Wann braucht man SAP Leonardo — und was kann man damit realisieren?

Uwe Quattländer: Leonardo ist das „Innovations-Zentrum“ des SAP Produktportfolios und bildet funktional hochaktuelle Themen wie Internet of Things, Blockchain, Machine Learning, AI oder auch Analytics ab. Am Markt zieht insbesondere das Thema IoT einen erheblichen Bedarf nach sich, weil Kunden durch die engere, teilweise Online-Steuerung von Produkten, Assets, Fahrzeugen, etc. massives Potenzial in der Optimierung von primär Logistikprozessen erwarten können.

Das Interesse besteht dabei nicht nur aus einem eigenen Optimierungsbedürfnis, sondern rührt auch daher, den Trend im Markt nicht zu verpassen und der Konkurrenz hinterher laufen zu müssen. Gerade im Thema IoT kommen die unterschiedlichen Stärken und Schwächen bei der Digitalisierung von Produkten wie Cloud, Connectivity, SAP-Integration etc. stark zum Tragen und der vorhin angesprochene Ende-zu-Ende Gedanke spielt eine sehr wichtige Rolle. Nur so lässt sich neben der Abbildung des Business Nutzens auch ein technisch sauberes Lösungsdesign vom Device über die Konnektivität bis hin zur Cloud- und SAP-Anwendungsintegration finden.

 

Was wird für Sie in den kommenden 12 Monaten das dominierende Thema in der SAP-Community?

Rainer Verst: Ganz klar ist das Thema S/4HANA relevant und dessen Beitrag zum Geschäftserfolg.

Uwe Quattländer: Aus meiner Sicht werden S/4HANA Migrationen -platzhaltend für das erweiterte SAP Produktportfolio aus der Cloud- im kommenden Jahr weiterhin an Fahrt aufnehmen. Dabei sollten wir zunehmend Integrationen mit Fokus auf die Logistik sehen, was der Nährboden für das Logistikthema SAP Internet of Things unter Leonardo sein wird. Auch die anderen SAP Leonardo Themen Blockchain, Machine Learning, AI oder auch Analytics dürften davon profitieren.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Helge Sanden, Chefredakteur des IT-Onlinemagazins.

 

 

In einem Expert-Talk zur Onlinekonferenz „Ihr Weg nach SAP S/4HANA: Wie machen es andere Unternehmen“ berichten beide Herren aus Kundenprojekten und über ihre Erfahrungen und Empfehlungen.

Sie können diesen und alle Beiträge der Onlinekonferenz live (29.01. – 01.02.19) oder als Aufzeichnung verfolgen. Im Konferenzprogramm finden Sie Erfahrungsberichte aus mehr als 20 S/4HANA-Migrationen.

 

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