Paukenschlag: SAP-Partner GITG will IS-H Nachfolger für S/4HANA anbieten

IS-H-Nachfolger-SAP-GITGDer Hamburger SAP-Partner GITG wird einen Nachfolger für die Branchenlösung IS-H auf SAP S/4HANA anbieten und zusätzlich Innovationen entwickeln. Krankenhäuser und Kliniken dürften dementsprechend aufatmen, denn sie stehen damit nicht mehr unter Zeitdruck, die Patientenabrechnung und Patientenverwaltung spätestens ab 2031 mit einer komplett neuen Software abwickeln zu müssen.

SAP hatte die IS-H Branchenlösung vor wenigen Tagen für Ende 2030 abgekündigt. Jetzt deutet sich eine neue Option für die betroffenen SAP-Kunden an. Von Wilken Möller und Michael Brok (Vorstände GITG AG) wollten wir wissen, was konkret geplant ist, wann es losgeht und wie man IS-H von SAP ECC auf S/4HANA umstellen kann.

Hermann-Josef Haag (DSAG-Fachvorstand Personalwesen & Public Sector), Walter Schinnerer (DSAG-Fachvorstand Österreich), Michael Pfeil (DSAG-Arbeitskreissprecher Healthcare) und Tatjana Neitz-Kluge (Stellvertretende DSAG-Arbeitskreissprecherin Healthcare) gaben erste Einschätzungen zur Ankündigung eines IS-H Nachfolgers ab.

 

Sie wollen einen IS-H-Nachfolger für S/4HANA zur Verfügung stellen — was ist konkret geplant?

Wilken Möller: Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Wir werden bis Ende 2025 ein neues Patientenmanagement — inklusive Abrechnung — auf der SAP S/4HANA-Plattform im eigenen Namensraum zur Verfügung stellen. Kliniken haben dann noch genügend Zeit, das vorhandene SAP IS-H mit unserer neuen Anwendung bis Ende 2027 beziehungsweise Ende 2030 abzulösen.

IS-H Nachfolger für S/4HANA in Arbeit

Müssen Sie dazu wesentliche Funktionalitäten neu programmieren?

Michael Brok: Teils, teils, das vorhandene Datenmodell im SAP IS-H ist gut. Das ist auch der Grund, warum rund 60 Prozent der stationären Fälle in Deutschland über das SAP IS-H abgerechnet werden. Das Datenmodell wird dem IS-H ähneln, damit die Migration auf unsere neue Lösung einfach und schnell umgesetzt werden kann.

Wilken Möller: Natürlich werden vorhandene Schwächen bei der Neuprogrammierung verbessert und Mehrwerte erzeugt. So werden ein graphisches Belegungsmanagement und andere Funktionalitäten in der Lösung enthalten sein.

 

Woher haben Sie die Expertise, die Kapazitäten und auch das Knowhow, plötzlich nicht mehr SAP-Partner, sondern Hersteller zu sein?

Michael-BrokMichael Brok: Wir sind schon seit über zehn Jahren nicht nur Berater, sondern auch Hersteller einer eigenen elektronischen Patientenakte auf Basis von SAP IS-H für den Reha-Bereich. In dieser Zeit haben wir viel Erfahrung erworben und haben die relevanten Prozesse von Beratung auf Softwareproduktion umgestellt beziehungsweise erweitert.

Des Weiteren kennen wir das SAP IS-H schon seit 1994 und waren eine der ersten, die SAP IS-H eingeführt haben — inzwischen können wir auf mehrere hundert Projekte zurückblicken. Einige unsere Mitarbeiter haben an verschiedenen Landesversionen mitgewirkt, und sogar die NV2000 wurde mit unserer Hilfe direkt in Walldorf umgesetzt. Dass die Entwicklung einer neuen Lösung eine sehr große Herausforderung ist, wissen wir. Das ist auch der Grund, warum wir neue Mitarbeiter einstellen werden und verschiedene Partner mit ins Boot nehmen wollen, um die Lösung auf breite Füße zu stellen.

 

„Neues IS-H“ dürfte hohe Akzeptanz finden

Wie steht SAP zu Ihrem Vorhaben — und was sagen erste SAP-Kunden, die sie bereits eingeweiht haben?

Wilken Möller: Im Vorfeld der SAP-Ankündigung haben wir etliche Gespräche mit Kliniken, der SAP, Partnern und Investoren geführt. Die Idee, ein „neues IS-H“ zu entwickeln, stieß auf sehr große Akzeptanz. „Wenn nicht die GITG, wer dann!“, hieß es.

Das hat uns natürlich bestärkt, diesen Schritt von der Idee bis zur Umsetzung dieser Aufgabe zu gehen. Mit unserem langjährigen Partner SAP befinden wir uns im intensiven Austausch, da uns die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der SAP bei dieser Entwicklung und darüber hinaus sehr wichtig ist.

 

Ab wann werden erste IS-H-Kunden mit der Patientenabrechnung und der Patientenverwaltung umsteigen können?

Michael Brok: Die Uhr tickt! Kunden brauchen Planungssicherheit, da ja genügend Aufgaben neben diesem Thema zu bewältigen sind. Ab voraussichtlich Ende 2025 wird es die neue Lösung und das zugehörige Migrationstool geben.

 

Es wird ein IS-H-Migrationstool von SAP ECC nach S/4HANA geben?

Michael Brok: Definitiv. Wir möchten den Kunden eine schnelle und einfache Migration ermöglichen.

 

Einfache IS-H Migration plus Innovationen geplant

Gibt es auch funktionale Weiterentwicklungen und Innovationen für die SAP-Kunden?

Wilken Möller: Jeder SAP IS-H-Kunde weiß, dass nicht alle Funktionalitäten oder Datenbankstrukturen optimal im IS-H abgebildet sind. Die vorhandenen Defizite werden wir beseitigen und einige fehlende Funktionalitäten ergänzen.

Dazu gehören unter anderem ein Bettenmanagement, eine Therapieplanung, ein Ressourcenmanagement und ein integriertes Kassenbuch mit Bezug zum Patienten. Diese Anwendungen sind jetzt schon auf SAP IS-H Basis vorhanden und werden in die neue Lösung integriert.

 

Schaffen Sie das eigentlich alles allein — oder suchen Sie Partner?

Wilken Möller: Wir wollen die beste Lösung für unsere Kunden bereitstellen. Dafür integrieren wir gerne das Knowhow aus den Kliniken, die Expertise von Partnern, der DSAG und der SAP.

Wir sind der Überzeugung, dass nur offene Systeme zukunftsfähig sind und das impliziert, dass spezifisches Wissen auch von anderen beigetragen und integriert werden kann.

 

Die Fragen stellte Helge Sanden, IT-Onlinemagazin.

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DSAG-Stimmen zum Nachfolger für IS-H auf S/4HANA

Die DSAG äußerte sich zur Ankündigung eines IS-H-Nachfolgers auf unsere Nachfrage folgendermaßen:

Hermann-Josef Haag - DSAG„Aus DSAG-Sicht begrüßen wir das Vorhaben, einen Nachfolger für die Branchenlösung IS-H auf S/4HANA zur Verfügung zu stellen. Auf diese Weise könnten viele Klinken und Krankenhäuser einen kompletten Produktwechsel vermeiden. Die von GITG als gering bezeichneten Migrationsaufwände sowie die angekündigten Innovationen und verbesserten Funktionalitäten lassen Positives hoffen.

Gerne unterstützen wir als Interessenvertretung Partner wie GITG dabei, die besten Optionen für die Branche zu erarbeiten. Das Ziel, bezogen auf diese Partnerlösung und auf alle möglicherweise noch kommenden, sollte dabei stets sein, für unsere Mitglieder eine zukunftssichere Lösung für wirtschaftlich vertretbare Kosten zu erhalten.“

Hermann-Josef Haag, DSAG-Fachvorstand Personalwesen & Public Sector

Walter-Schinnerer„Aus österreichischer und schweizerischer Sicht ist die Ankündigung von GITG, ein neues Patient Management mit Patientenadministration und -abrechnung auf der S/4HANA-Plattform entstehen zu lassen, sehr zu begrüßen. Diese Entwicklung bestätigt, dass eine meiner langjährigen Forderungen realisierbar ist:

Es ist möglich, eine in das lokale SAP-S/4HANA-System eines Krankenhauses integrierbare Anwendung bereitzustellen. Das wird Kliniken und Krankenhäuser spürbar entlasten. Aus Anwendersicht ist es wichtig, dass wir sehr bald von GITG eine Aussage erhalten, ob bzw. wann die angekündigte Lösung auch die Länderspezifika der Patientenabrechnung enthalten wird.“

Walter Schinnerer, DSAG-Fachvorstand Österreich

Michael-Pfeil-DSAG„Als DSAG begrüßen wir die Planungen von GITG eine On-Premise-Lösung für den S/4HANA-Kern zu entwickeln. Entscheidend hierbei sind insbesondere die Roadmap und die Umsetzungsplanung für die Einrichtungen im Gesundheitswesen. Hier brauchen wir als Anwender eine valide Aussage von GITG.

Zudem muss SAP bei diesem Vorhaben intensiv unterstützen und die Entwicklungen bei GITG mit ermöglichen. Dass eine IS-H-On-Premise-Variante nun doch möglich sein kann, hat extremen Einfluss auf die Transformations-Roadmaps der Kunden – und bietet Investitions- und Planungssicherheit.

Es wird in diesem Kontext spannend zu beobachten, wie SAP mit ihren eigenen Vorgaben umgeht, z.B. bezogen darauf, den S/4HANA-Kern ‚sauber’ zu halten. Darüber hinaus gehen wir davon aus, dass die Lizenzthematik spannend wird und erwarten hier pragmatische Lösungsvorschläge von SAP. Unabhängig von dieser Entwicklung, wünschen wir uns klare Signale auch für die i.s.h. med-Kunden. Eventuell finden sich hier ja auch innovative Unternehmen mit langjähriger Erfahrung am Markt. Aus DSAG-Sicht wäre das wünschenswert.“

Michael Pfeil, DSAG-Arbeitskreissprecher Healthcare

„Die Ankündigung, dass GITG das Modul IS-H als Neuentwicklung in der S/4HANA-On-Premise-Welt bis Ende 2025 unter Verwendung des existierenden Datenmodells anbieten und funktionale Mängel optimieren möchte, kann ich aus Anwendersicht nur begrüßen.

Wichtig ist, dass die Verzahnung zum Modul i.s.h.med mit klar definierten Schnittstellen vom neuen IS-H-Modul so bereitgestellt wird, dass eine Integration zu jedem beliebigen KIS möglich wird. Die Flexibilität, die Krankenhäuser und Kliniken heute von IS-H in Form von Customizing/BAdIs gewohnt sind, sollte durch Kundenerweiterungen auch zukünftig gegeben sein. Die Vielfalt der Abrechnungsformen ist so groß, dass Standards eher Wunschvorstellungen sind.

Ebenso müssen die diversen gesetzlichen Anforderungen, z.B. aus der TI-Infrastruktur oder der PPUGV, die eben nicht nur das Modul IS-H betreffen, von KIS-Herstellern neutral umgesetzt werden können. Damit der Aufwand der IS-H-Neuimplementierung tatsächlich überschaubar bleibt und kein jahrelanger weiterer Betrieb vom IS-H in einem R/3-System nötig ist, wird die Altdatenübernahme eine besondere Herausforderung für GITG.“

Tatjana Neitz-Kluge, stellvertretende DSAG-Arbeitskreissprecherin Healthcare

 

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