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SAP stellt Weichen für Alleinstellungsmerkmale in der Branche

Die DSAG fordert eine durchgängige technische und semantische Integration aller SAP-Lösungen — auch der zugekauften. SAP verspricht in vielen Bereichen bereits bis Ende 2020 zu liefern. Wenn dieses Engineering-Projekt abgeschlossen ist, dürfte sich SAP mehrere Alleinstellungsmerkmale für die Branche der Business-Lösungen erarbeitet haben. Es gab einige weitere Erkenntnisse und interessante Nachrichten bei den DSAG-Technologietagen 2020 in Mannheim.

 

Roadmap für Harmonisierung der SAP-Lösungen vorgestellt

Pünktlich zu den Technologietagen veröffentlichte SAP eine Roadmap für die Harmonisierung der SAP-Lösungen. Vereinheitlicht werden sollen die Benutzerführung (look&feel), das Datenmodell, das Identity-Management und das Lifecycle-Management (Inbetriebnahme und Betrieb). Der Suite-Ansatz der SAP-Lösungen wird durch anwendungsübergreifenden Analysemöglichkeiten, ein zentrales Workflow-Management (anwendungsübergreifende Inbox) und implementierbare Vorlagen für (anwendungsübergreifende) Ende-zu-Ende Prozesse deutlich herausgestellt.

 

SAP-Suite wird einige Alleinstellungsmerkmale haben

Wenn diese „out-of-the-box“-Integration der SAP-Anwendungen untereinander gegeben ist, wird nicht nur eine langjährige Forderung der DSAG erfüllt sein. SAP dürfte sich damit einen deutlichen Wettbewerbsvorteil erarbeiten, wenn beispielsweise nur noch eine Registrierung notwendig, Auswertungen Suite-übergreifend möglich und Ende-zu-Ende Beispielprozesse nutzungsfertig mitgeliefert werden.

Die dazu notwendigen Reengineering-Arbeiten werden entlang der vier Kernprozess-Ketten „Lead to Cash“ (Kunden), „Recruit to Retire“ (Personal), „Source to Pay“ (Beschaffung und Finanzen) und „Design to Operate“ (Produktion und Lieferkette) nach und nach fertiggestellt und sollen zum Großteil bereits im Laufe des Jahres 2020 abschlossen sein. Details können Sie diesem lesenswerten Dokument entnehmen. Integrationsmaßnahmen haben für den SAP Vorstand aktuell höchste Priorität. Die Einflußnahme der DSAG hat – wenn auch spät – Früchte getragen. Es soll sich bei den Aktivitäten zur „Intelligent Suite“ um das derzeit größte SAP Engineering-Programm handeln.

 

SAP Cloud Platform (SCP) für SAP- und Non-SAP-Integration

Alle SAP-zu-SAP Integrationen erfolgen mittels SAP Cloud Platform, die damit zukünftig zum SAP-Betrieb unabdingbar wird. Verfolgt man lieber einen „best-of-breed“-Ansatz, bietet die SCP viele API und rund 160+ Konnektoren zu Produkten von Drittanbietern. Die DSAG fordert eine Vereinheitlichung der Erweiterungskonzepte mittels der SCP über einheitliche API und Services für beide SAP-Produktlinien, damit man auf der ECC-Produktlinie getätigte individuelle Anpassungen später leicht auf S/4HANA mitnehmen kann.

Nutzt man die SCP nicht nur für die SAP-to-SAP-Integration, sondern auch für andere Services (z.B. Third-Party-Anbindung), werden zusätzliche Lizenzgebühren notwendig. Hier stellten SAP und DSAG in Aussicht, dass es bald flexible, nutzungsabhängige Lizenzmodelle geben wird. Etwa zur Jahresmitte 2020 soll dieses „pay-as-you-go“-Lizenzmodell vorgestellt werden, das es noch einfacher machen soll, SAP-Technologie zu nutzen. Wir werden berichten.

 

Verlängerung der SAP-Wartung kann teuer werden

Die Wartungsverlängerung der SAP Business Suite auf 2027 und 2030 war sicher in fast jedem Gespräch auf den DSAG-Technologietagen ein Thema. Fest steht, dass die Nutzung für SAP-Anwenderunternehmen nach 2027 teurer wird, denn sie müssen in Extended-Wartung einen Aufschlag von zwei Prozent auf ihre Wartungsbasis aufschlagen. Es ist daher dringend empfohlen, die Geschwindigkeit der Umstellungsvorbereitungen nicht zu reduzieren, zumal zwei Aspekte in der Praxis deutlich werden:

Erstens sind die notwendigen Vorbereitungen oft aufwändiger als vorher gedacht. Insbesondere Daten- und Prozessharmonisierungen in Mehrmandanten-Systemen kosten viel Abstimmungsbedarf und dauern lange. Die Einführung des SAP Business-Partner Konzepts und die Konzeption des Berechtigungswesens für die Fiori und HANA kosten mehr Zeit als gedacht. So lautete auch ein Fazit der IT-Onlinekonferenz 2020, bei der sehr viele Kunden über ihre Umstellungserfahrungen auf S/4HANA berichteten.

Zweitens empfiehlt SAP seinen Kunden, vor einem Wechsel auf S/4HANA die Geschäftsprozesse zu standardisieren und die IT-Landschaft zu harmonisieren. Bei einer rein technischen Brownfield-Migration „shift-and-lift“ vergibt man sich eine Chance zur Neustrukturierung, die in über viele Jahre gewachsenen Systemen überfällig sein könnte. Wir werden dieser Frage weiter nachgehen.

 

Licht und Schatten bei der Cloud-Verfügbarkeit

DSAG-SAP-Wartung-2027-2030
Steffen Pietsch (links) und Jürgen Müller bei den DSAG-Technologietagen 2020

DSAG-Technologievorstand Steffen Pietsch bemängelte in seiner (wieder sehenswerten) Keynote, die zeitweise schlechte Verfügbarkeit der SaaS-Lösung SAP Success Factors. Insbesondere im Dezember 2019 sei die von der SAP zugesicherte Verfügbarkeit nicht gegeben gewesen. Eine ähnliche Situation gab es in der Vergangenheit bei der SAP Cloud Platform. Hier lobte Pietsch die mittlerweile erreichten Verbesserungen und die derzeitige Verfügbarkeit und Stabilität der SCP.

SAP-Vorstand Jürgen Müller entschuldigte sich bei allen vom zeitweiligen SuccessFactors-Ausfall betroffenen Kunden und stellte baldige Verbesserungen in Aussicht. Demnach sollen ähnliche Stabilisierungsmaßnahmen wie in der Vergangenheit bei der SAP Cloud Platform umgesetzt werden.

 

Unterstützung bei Umstieg von Neo zu Cloud Foundry?

Der Strategiewechsel der SAP von der „Neo-Plattform“ zur Open-Source-Multi-Cloud-Anwendungsplattform „Cloud Foundry“ sorgt für Unmut bei den SAP-Anwenderunternehmen und Partnern, die nun ihre Entwicklungen portieren müssen. Jürgen Müller (SAP) stellte Unterstützung in Aussicht, da für ihn bei einem Richtungswechsel ein „technischer und kommerzieller Migrationspfad von einer von SAP empfohlenen zu einer anderen Technologie dazu gehört.“ Das ist ein gutes Zeichen an die „early adopter“, die Innovation schnell implementieren und dabei Empfehlungen der SAP folgen.

 

Security by default – SAP-Sicherheitseinstellungen

Eine weitere Forderung der DSAG, dass sicherheitsrelevante Funktionen bei Bereitstellung an den Kunden aktiviert sind, befindet sich offenbar auf einem guten Weg: Am S/4HANA Release 1909 wurde erfolgreich die „sichere“ Grundeinstellung (security-by-default) bei Auslieferung der Software verprobt. Bereits für März 2020 stellte Jürgen Müller weitere Ankündigungen zu diesem Thema, zur Security Harmonisierung und zu Security Dashboards in Aussicht.

 

Automatisierung in der IT notwendig

Die Automatisierung in der IT-Abteilung wird notwendig, um die Komplexität der hybriden Landschaften und der vielen Schnittstellen für die Ende-zu-Ende Prozesse zu managen. Kurze Release-Zyklen von SaaS-Anwendungen sorgen für kontinuierlichen Testaufwand in den Unternehmen. Steffen Pietsch meinte mit Gespräch mit Helge Sanden, dass die Automatisierung für alte Landschaften im Bestand aufwändig zu bewerkstelligen sei. Bei einem Greenfield-Ansatz sei hingegen ein günstiger Zeitpunkt, das Thema Test- und Testdaten-Automatisierung von Beginn an anzugehen.

Die nächsten DSAG-Technologietage finden am 3. und 4.Februar 2021 im Congress Center Düsseldorf statt.

 

DSAGTT20: Rückblick im Video

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DSAGTT20: Pressekonferenz mit Steffen Pietsch und Jürgen Müller

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