Scheitern S/4HANA-Projekte ohne modernes Qualitätsmanagement?

Qualitätssicherung und ausgiebige Tests spielen bei der Umstellung auf SAP S/4HANA eine zentrale Rolle. Sämtliche SAP-Geschäftsprozesse müssen auch nach der Transformation reibungslos und performant funktionieren, sonst droht ein Projekt im schlimmsten Fall zu scheitern.

Von Amir Khan (Micro Focus) wollte ich wissen, ob ein modernes Qualitätsmanagement für S/4HANA-Umstellungen unabdingbar ist, woran man Handlungsbedarf erkennen und wie man beim Testmanagement schrittweise besser werden kann.

Als Gast eines Expert-Talks zur IT-Onlinekonferenz 2021 „Wie sich IT-Entscheider auf die SAP-Zukunft vorbereiten“ gibt er am 23. März gemeinsam mit Thomas Bertogg (Leiter Test- & Releasemanagement, Schweizer Migros-Genossenschafts-Bund) einen Erfahrungsbericht zu Verbesserungsmaßnahmen bei Migros und Empfehlungen für eigene Projekte.

 

Herr Khan, kann man S/4HANA-Projekte ohne ein modernes Qualitätsmanagement meistern?

Amir-Khan-MicroFocusAmir Khan: Bei der Umstellung auf SAP S/4HANA spielen Qualitätssicherung und Testing eine zentrale Rolle, denn sämtliche SAP-Geschäftsprozesse müssen auch nach der Transformation reibungslos und performant laufen. Nur so lassen sich negative Auswirkungen auf kritische Geschäftsprozesse gezielt vermeiden.

Von daher gilt: Je früher man mit dem Testen beginnt, desto besser. Das Testen bis zum Projektende aufzuheben, ist keine gute Idee. Dann kommt es meistens zu kurz. Als Folge bleibt die Qualität auf der Stecke.

Wichtig ist auch, Qualität „messbar“ zu machen. Jedes Unternehmen hat unterschiedliche Gechäftsprozesse, Module und Tools im Einsatz, welche diverse Disziplinen der Teams durchsetzen. Jedes Team trägt in ihrer Disziplin einen Beitrag zum Projekt bei — und diesen Beitrag kann man „messbar“ machen. Durch das Verbinden der einzelnen Team-Tools, können die Daten in Kontext und Relation gebracht werden, so dass dadurch die Qualität ersichtlich wird.

 

QM als Erfolgsfaktor bei S/4HANA-Umstieg

Was macht „modernes“ Qualitätsmanagement aus – oder andersherum: Woran erkennt man eigenen Handlungsbedarf zur Verbesserung?

Qualität sollte „messbar“ sein und genau diese Messbarkeit ist in der gängigen, komplexen Toolchain nicht ersichtlich. Durch Medienbrüche sind die Daten nicht durchgängig und es ist keine Nachverfolgbarkeit vorhanden. Das hat direkte negative Auswirkungen auf die Lieferobjekte (Releases, Change Request, Transporte, etc.) und führt sehr oft zu Verzögerungen im Projekt sowie zu Incidents in der Produktion.

Moderne Qualitätsmanagement bringt die Informationen aus den unterschiedlichen Systemen und Tools zusammen und erlaubt so, Fehler kontextspezifisch früher zu erkennen sowie Bereiche, die Qualitätsmängel aufweisen, schnell zu identifizieren. Somit kann eine signifikante Qualitätssteigerung der Lieferobjekte innerhalb der Lieferkette erzielt werden.

 

Beobachten Sie typische Fehleinschätzungen in Unternehmen?

Fehleinschätzung als Wort klingt sehr „streng“. Was aber häufig der Fall ist, dass Unternehmen aufgrund kürzerer Lieferzyklen den Fokus auf die Lieferobjekte legen. Die Folge: Wichtige Qualitätsthemen wie User Experience, Performance, Stabilität, etc. bleiben dabei auf der Strecke!

Was wir im Vergleich zum Vorjahr allerdings mehr und mehr bei den Unternehmen sehen, ist, dass die Qualitätsaspekte wieder in den Vordergrund treten. Und das ist sehr positiv.

Qualität ist nicht mehr nur ein Thema mit technischem Interesse, es betrifft unmittelbar das Tagesgeschäft eines Unternehmens. In der Praxis zeichnet sich klar folgender Trend ab, den auch der neueste World Quality Report 2020/2021 als solchen bestätigt: Die Orchestrierung der Qualität über Teams und Tools wird ein vielversprechender Baustein für den Erfolg der digitalen Transformation sein.

 

Erfahrungsbericht MIGROS: S/4HANA Qualitätsmanagement

Was erfahren wir von Ihnen bei der IT-Onlinekonferenz 2021?

Wir haben für die IT-Onlinekonferenz 2021 einen wirklich interessanten und spannenden Anwenderbericht aus der Schweiz mitgebracht:

Thomas Bertogg

Thomas Bertogg, Leiter Test & Release Management beim MIGROS Genossenschafts-Bund, wird aus erster Hand berichten, wie die MIGROS modernes Qualitätsmanagement für ihre SAP S/4HANA-Transformation bereits erfolgreich in der Praxis etabliert hat.

Er gibt den Zuschauern zudem nützliche Tipps, welche Aspekte hierbei unbedingt zu beachten sind und welche Möglichkeiten es gibt, die Qualitätssicherung und das Testing innerhalb des Migrationsprozesses zu S/4HANA einfach und effektiv zu gestalten. Es lohnt sich also, bei diesem Expert-Talk dabei zu sein!

 

Wenn Sie allen SAP-Verantwortlichen etwas schenken dürften, was würden Sie wählen?

Wenn ich den SAP-Verantwortlichen etwas schenken würde, wäre es Vertrauen in Transporte, Changes und Wartungsarbeiten. Ein Vertrauen, das aber nicht auf „Gutgläubigkeit“ basiert, sondern auf eindeutigen „Fakten“ über die Orchestrierung der Qualität und über die Nachvollziehbarkeit und Nachverfolgbarkeit von Daten aus den unterschiedlichen Systemen.

Dies würde nicht nur den Alltag (und oft auch die Nächte) der SAP-Verantwortlichen ruhiger gestalten, sondern auch das Vertrauen in die Lieferobjekte erhöhen und gleichzeitig das Risiko minimieren.

Was wird 2021 das dominierende Thema in der SAP-Community?

Die zunehmende Bedeutung von „Qualitätsmanagement“ und „Teststrategien“ als Erfolgsfaktor beim Umstieg auf S/4HANA.

 

Vielen Dank für das Gespräch.
Die Fragen stellte Helge Sanden, Chefredakteur des IT-Onlinemagazins.

 

Erfahrungsbericht bei der #ITOK21:

Sie können dieses Thema bei der #ITOK21 live (22.03. – 25.03.) oder als Aufzeichnung verfolgen und eigene Fragen an die Experten stellen.

Bei der IT-Onlinekonferenz geben IT-Entscheider vier Tage lang Erfahrungsberichte, wie sie sich auf die SAP-Zukunft vorbereiten, die IT-Automatisierung, die SAP-Sicherheit, die Cloud-Transformation, das Management hybrider Multi-Cloud-Umgebungen und den S/4HANA-Umstieg meistern. Zusätzlich gibt es vielfältige Interaktions- und Networking-Möglichkeiten.

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