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Was müssen ABAP-Entwickler zur HANA Cloud Platform (SAP HCP) und S/4HANA wissen?

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Posted 21. November 2016 by Redaktion IT-Onlinemagazin in SAP®-Spezialist

ABAP Entwickler stellen sich die Frage nach der Bedeutung ihrer vertrauten Programmiersprache in der Zukunft. Wir fragten Damir Majer und Dr. Christian Drumm, die Veranstalter der ABAP Code Retreats, worauf sich SAP Anwenderunternehmen in Bezug auf Eigenentwicklungen, die HANA Cloud Platform (SAP HCP) und S/4HANA einstellen müssen – und was das für ABAP Entwickler bedeutet.

 

Was bedeutet der SAP Technologiewandel für ABAP Entwickler?

Dr. Christian Drumm

Dr. Christian Drumm

Christian Drumm: Der aktuelle SAP Technologiewandel bedeutet, dass in Zukunft SAP Anwendungen nicht mehr ausschließlich in ABAP entwickelt werden. Stattdessen werden zukünftige Anwendungen verschiedene Technologien verwenden. ABAP Entwickler müssen sich an diese Entwicklung anpassen und die neuen Technologien und Konzepte erlernen.

Damir Majer: Eine typische Anwendung wird zukünftig beispielsweise aus SAP UI5 für die Benutzeroberfläche, OData für den Datenaustausch zwischen der Benutzeroberfläche und Backend, ABAP OO für die Business Logik und Core Data Services für das Datenmodell bestehen.

 

Ist ABAP aus Ihrer Sicht ein Auslaufmodell?

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Damir Majer

Damir Majer: Nein. ABAP ist kein Auslaufmodell. ABAP erfährt in den letzten Jahren eine kontinuierliche Weiterentwicklung durch SAP. Insbesondere mit ABAP 7.40 und ABAP 7.50 wurden eine ganze Reihe moderner Konzepte aus anderen Programmiersprachen in ABAP übernommen.

Christian Drumm: Zusätzlich steht mit ABAP in Eclipse nun auch für ABAP Entwickler eine moderne integrierte Entwicklungsumgebung zur Verfügung.

 

Ein Paradigma der SAP zu S/4HANA lautet „zurück zum Standard“. Wie kommt das bei Anwenderunternehmen an?

Christian Drumm: Prinzipiell begrüßen die Unternehmen den Weg zurück zum Standard. Meine Kunden versuchen immer, die Prozesse möglichst nah am Standard zu implementieren. Schwierig sind die Bereiche, in den SAP keine Lösung im Standard anbietet. Hier setzen die Unternehmen auf Eigenentwicklungen oder Add-Ons von Drittanbietern.

Damir Majer: Insbesondere die Anpassung von Eigenentwicklungen auf S/4HANA stellen die Unternehmen vor eine Herausforderung. Diese Anpassungen können besonders bei über Jahren gewachsenen Systemen mit vielen Eigenentwicklungen zu aufwendigen Anpassungsprojekten führen.

 

Welche Bedeutung hat die HANA Cloud Platform (HCP) für Eigenentwicklungen und Anpassungen?

Damir Majer: Die HANA Cloud Platform ist die von SAP strategische gesetzte Plattform, um SAP Cloud Anwendungen anzupassen. Somit führt an der Nutzung der SAP HCP zur Anpassung von SAP Cloud Anwendungen kein Weg vorbei.

Christian Drumm: Weiterhin wird die HCP immer weiter zu einer PaaS-Lösung ausgebaut. Somit ermöglicht SAP mit der HCP auch Partnern eigene Cloud Anwendungen zu entwickeln, um das Produktportfolio der SAP zu ergänzen. Aktuell starten die ersten Partner in die Entwicklung von Add-Ons oder eigenen Anwendungen auf Basis der HCP.

 

Mit welchem Aufwand muss man rechnen, wenn man ABAP Entwicklungen S/4HANA-tauglich macht?

Christian Drumm: Der notwendige Aufwand hängt sehr stark von der Menge der Eigenentwicklungen sowie deren Qualität ab. Aus diesem Grund sind generelle Aussagen hier sehr schwierig. SAP bietet aber eine Reihe von Werkzeugen, mit denen der Aufwand vor dem Beginn eines S/4HANA-Projekts abgeschätzt und die notwendigen Anpassungen eingegrenzt werden können.

Damir Majer: Da der Umstieg auf S/4HANA für die meisten Unternehmen mittelfristig stattfinden wird, macht es Sinn sich auch unabhängig von einem konkreten S/4HANA-Projekt mit den notwendigen Anpassungen auseinanderzusetzen. So können beispielsweise interne Entwicklungsrichtlinien bereits jetzt auf die Anforderungen von S/4HANA angepasst werden. Dies führt dazu, dass zumindest ein Teil des Anpassungsaufwandes schon in laufenden Projekten erfolgen kann.

 

Was empfehlen Sie SAP Anwenderunternehmen und ABAP Entwicklern in Bezug auf Eigenentwicklungen?

Christian Drumm: Im Hinblick auf S/4HANA würde ich Unternehmen und Entwicklern empfehlen, sich schon heute mit den Auswirkungen auf Entwicklungen auseinanderzusetzen. So können sie bei Neuentwicklung bzw. Anpassungen existierender Entwicklungen darauf achten, dass diese zukünftige Anforderungen von S/4HANA erfüllen.

Damir Majer: Unternehmen sollten außerdem in die konkrete Planung einer Roadmap ihrer SAP Systemlandschaft investieren. Auf dieser Basis können dann neue Projekte konkret im Hinblick auf die S/4HANA bewertet werden.

 

Was ist ein ABAP CodeRetreat?

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D. Majer und C. Drumm

Christian Drumm: Ein ABAP CodeRetreat ist ein offenes, eintägiges Event, dass speziell für Entwickler konzipiert wurde. Ziel des ABAP CodeRetreat ist es, Entwickler anhand eines definierten Fallbeispiels in fundamentalen Konzepten der Softwareentwicklung zu trainieren, sowie ABAP Entwicklern eine Plattform zu bieten, um Kontakte zu anderen ABAP Entwicklern zu knüpfen.

Das Konzept des CodeRetreat ist dabei unabhängig von ABAP. Es wurde 2009 im Umfeld der Clean Code und Software Craftsmanship Community entwickelt. Im SAP und ABAP Umfeld war das Konzept jedoch unbekannt. Ausgehend von verschiedenen Diskussionen entschlossen wir uns, das Format auch im SAP und ABAP Umfeld zu etablieren.

Damir Majer: Dabei haben wir das Format an die Bedürfnisse der SAP und ABAP Community angepasst. Aus diesem Grund starten wir den ABAP CodeRetreat mit einer Reihe von “Knowledge Sessions”, in denen wir grundlegende Konzepte, die wir im Rahmen des ABAP CodeRetreat trainieren wollen, einführen.

Insbesondere gehen wir dabei auf die ABAP Entwicklung mit Eclipse, Unit Tests, Test Driven Development und Pair Programming ein. Im Laufe der ABAP CodeRetreats führen wir danach fünf bis sechs 45-minütige Sprints durch, in denen versucht wird, Conways Game of Life zu implementieren. Die Sprints werden jeweils von einer 15-minütigen Retrospektive abgeschlossen, in denen wir mit den Teilnehmern die Erfahrungen der Sprints diskutieren.

Besonders spannend an einem ABAP CodeRetreat ist, dass wir die Lernerfahrungen und Lernziele der Sprints durch verschiedene Randbedingungen verändern und steuern können. So lassen wir beim sogenannten Ping Pong einen Entwickler eines Teams nur Testcode schreiben, den anderen nur Produktionscode. Dies führt dazu, dass man sehr schön sieht, wie durch den Testcode die API und das Design des Produktionscode positiv beeinflusst werden kann.

 

Wie kann man einen eigenen ABAP CodeRetreat ausrichten?

Christian Drumm: Die Organisation eines ABAP CodeRetreat ist sehr einfach. Wir benötigen nur einen Gastgeber, der uns Räumlichkeiten, W-Lan, Essen und Getränke zur Verfügung stellt. Wer einen ABAP CodeRetreat ausrichten möchte, kontaktiert uns über die ABAP CodeRetreat Website.

Wir stimmen dann einen gemeinsamen Termin ab. Sobald wir den gefunden haben, bewerben wir das Event auf unserer Webseite und in den sozialen Medien. Am Tag des Events sind wir vor Ort und betreuen den ABAP CodeRetreat zusammen mit einem Ansprechpartner des Hosts.

Damir Majer: Wenn wir ihr Interesse geweckt haben, können Sie auch gern an einem der geplanten Veranstaltungen teilnehmen. Die aktuellen Daten und Veranstaltungsorte finden Sie auf unserer Webseite. Wir würden uns freuen, Sie bei einem der nächsten Events begrüßen zu können.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Helge Sanden, Chefredakteur des IT-Onlinemagazins.

Das IT-Onlinemagazin ist Medienpartner der ABAP Code Retreats.

 

 

Foto Christian Drumm: Dank an die FH Aachen – Maike Keulen

 

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Das IT-Onlinemagazin ist Medienpartner beim DSAG-Jahreskongress 2017

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