Die digitale Transformation von HR-IT ist in vollem Gange – allerdings heterogener, als es viele Roadmaps vermuten lassen. Das zeigt eine aktuelle DSAG-Umfrage im Vorfeld der DSAG-Personaltage 2026. Zwei Ergebnisse stechen besonders hervor: SAP SuccessFactors ist in vielen Unternehmen zumindest teilweise etabliert, zugleich dominiert die Umstellung auf SAP HCM for S/4HANA (H4S4) die Transformationspläne.
Heterogene Transformation in HR und IT

Der Umfrage zufolge arbeiten 71 Prozent der Befragten weiterhin mit SAP ECC HCM On-Premises. Parallel nutzen 39 Prozent bereits SuccessFactors, 23 Prozent H4S4 On-Premises und 9 Prozent H4S4 in der Private Cloud. „Daran wird deutlich, wie heterogen die digitale Transformation in HR und IT ausfällt – und dass sie derzeit in vollem Gange ist“, unterstreicht Hermann-Josef Haag, DSAG-Fachvorstand Personalwesen & Public Sector.
Im Zentrum der aktuellen Roadmaps steht für viele Unternehmen zunächst die Absicherung des bestehenden HR-Kerns. Die Migration auf H4S4 dient vor allem dazu, Wartungssicherheit und Investitionsschutz zu gewährleisten. „Auf der einen Seite zwingt das bevorstehende Wartungsende der bisherigen ERP-HCM-Lösungen Unternehmen dazu, mit zukunftssicheren Plattformen zu planen. Auf der anderen Seite stehen viele Unternehmen vor der Herausforderung, Datenmigration, Prozessharmonisierung und Hybrid-Strategien in Einklang zu bringen“, so Haag. Viele Organisationen setzen deshalb auf einen schrittweisen Ansatz, bei dem funktionale Innovationen zeitlich nachgelagert erfolgen. Um diesen Weg planbar zu gestalten, braucht es aus DSAG-Sicht klare Roadmaps, transparente Abhängigkeiten und verlässliche Migrationshilfen, damit Unternehmen Aufwand, Ressourcen und Transformationsschritte realistisch steuern können.
Mehr als ein Viertel verzichtet auf SuccessFactors

Auch bei SAP SuccessFactors zeigt sich ein differenziertes Bild: 44 Prozent der befragten Unternehmen haben die Lösung bereits ganz oder teilweise eingeführt, 11 Prozent planen dies. Mehr als ein Viertel der Befragten (28 Prozent) wollen dagegen darauf verzichten. Das mag auch daran liegen, dass sich die Hoffnung, durch den Einsatz von SuccessFactors die Abhängigkeit von der IT deutlich zu reduzieren, aus Sicht der SAP-Anwenderunternehmen nur begrenzt erfüllt: Knapp die Hälfte der Befragten sieht hier keine Veränderung.
Wer auf SuccessFactors setzt, nutzt laut Umfrage vor allem Module wie Recruiting (41 Prozent), Employee Central (39 Prozent), Learning (37 Prozent) sowie Performance & Goals (34 Prozent). Payroll-nahe Funktionen und Analytics spielen bislang eine untergeordnete Rolle. Haag begründet die niedrigen Zahlen so: „Dass Payroll-nahe Module hier etwas abgeschlagen sind, liegt daran, dass manche Funktionen oder Branchenspezifika noch fehlen.“
Top Herausforderung: Digitale Personalprozesse
Als größte Herausforderungen im HR-IT-Kontext nennen fast drei Viertel der befragten Unternehmen digitale Personalprozesse (74 Prozent), gefolgt von der Migration von SAP ECC HCM auf H4S4 (64 Prozent), Datenschutz und Compliance in HR-Systemen (54 Prozent), HR-Analytics (52 Prozent) sowie Zeiterfassung und Arbeitszeitrecht (47 Prozent). Zukunftsthemen wie SAP Business Data Cloud oder weitergehende Analytics-Szenarien werden von rund der Hälfte der Befragten als wenig bis gar nicht relevant eingeschätzt. Für die DSAG ein klares Zeichen dafür, dass viele Organisationen zunächst ihre bestehenden HR-IT-Landschaften stabilisieren sowie gesetzliche und organisatorische Anforderungen bewältigen müssen, bevor sie sich intensiver mit datengetriebenen oder strategisch erweiterten Szenarien befassen können.
Top Trends: KI und Automatisierung

Mit Blick auf die kommenden Jahre sehen die Befragten vor allem KI (65 Prozent), Automatisierung (53 Prozent) und People Analytics (34 Prozent) als prägende Trends. Fachkräftemangel und digitale Weiterbildung bleiben mit 50 Prozent ebenfalls dominierende Handlungsfelder. Dagegen glaubt nur rund jeder vierte Befragte, dass Themen wie Low-Code/No-Code-Lösungen und Cloud-first-Strategien im HR-Umfeld künftig an Bedeutung gewinnen werden.
„Die DSAG-Umfrage zeigt, dass Unternehmen im HR-Umfeld derzeit weniger nach der nächsten Innovation suchen als nach Stabilität, Orientierung und Verlässlichkeit“, ordnet IT-OnlineMagazin-Chefredakteurin Maike Rose die Ergebnisse ein. H4S4, hybride Architekturen und SuccessFactors sind keine isolierten Technologieentscheidungen, sondern Teil eines langfristigen Transformationspfads. „Entscheidend wird sein, wie konsequent SAP, Partner und Anwender diesen Weg gemeinsam strukturieren – und wie gut es gelingt, Pflichtaufgaben und Zukunftsthemen in ein tragfähiges Gesamtkonzept zu überführen“, so Rose.
Das IT-OnlineMagazin ist Medienpartner der DSAG-Personaltage.
Wie muss sich das Personalwesen entwickeln, um die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft zu meistern? Damit beschäftigen sich auch die DSAG-Personaltage 2026. Unter dem Motto „Das Dino-Dilemma: Survival of the Skilled“ regt der Kongress am 17. und 18. Juni 2026 in Heidelberg zur Diskussion rund um HR- und IT-Strategien im SAP-Kontext an.
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