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Karrieren rund um SAP: Michael Fuchs im Gespräch mit Anja Schneider

MF Karriere Anja Schneider
Michael Fuchs im Gespräch mit Anja Schneider, Foto: IT-OnlineMagazin

Die SAP-Karriere von Anja Schneider steht ganz im Zeichen einer engen Verzahnung von Technologie, Plattformstrategie und Kundenfokus. Sie begann im Jahr 2000, als sie sich entschied, ihre Position im Öffentlichen Bereich für eine Position als Pre-Sales Specialist bei SAP aufzugeben. Daraufhin folgten verschiedenste Rollen in zentralen Geschäfts-, Innovations- und Kundenbereichen in der Region Mittel- und Zentral-Europa und schließlich komplett über Europa als Chief Expert.

Ab 2014 baute Schneider dann das globale Plattformgeschäft auf und leitete später als Senior Vice President (SVP) Customer Innovation die kundenzentrierte Innovationsagenda des Softwarekonzerns in Bezug auf Plattform- und Technologie Geschäftsmodelle,  2021 folgte dann eine Position als Chief Operation Officer (COO) des Vorstandsressorts Technology & Innovation. Seit 2024 verantwortet sie als Global Head of Premium Engagement & Advisory die Betreuung der wichtigsten SAP-Kunden weltweit inklusive der globalen Contentstrategie.

Mit Michael Fuchs (Senior Analyst, IT-Onlinemagazin) spricht sie über prägende Stationen ihres Karrierewegs, die Chancen und Möglichkeiten bei SAP, sowie ihren persönlichen Führungsstil.

 

Der Anfang bei SAP – Internethype und erste Zukäufe

Michael Fuchs: Anja, ich weiß es sehr zu schätzen, dass du dir im arbeitsintensiven Jahresendgeschäft die Zeit für ein Gespräch mit uns nimmst, vielen Dank dafür. Kaum zu glauben, dass du gerade dein 25-jähriges bei der SAP gefeiert hast, oder? Kannst du dich noch an die Anfänge deiner Karriere erinnern?

Anja Schneider: Selbstverständlich, wie könnte ich das vergessen? Ich bin im Jahr 2000 als Pre-Sales Specialist zu SAP gestoßen. Das war damals der Beginn des großen Internet-Hypes und eine enorm aufregende Zeit. Einerseits, weil sich alle gefragt haben, wie das Internet die Geschäftsmodelle verändert. Und andererseits, weil SAP kurz nach meinem Einstieg 2001/2002 die allererste Akquisition in ihrer Geschichte gemacht hat. Wir sind also zum ersten Mal anorganisch gewachsen und hatten im Umfeld Technologie ganz viel Transformationsarbeit zu leisten. Marktplätze, Portale, Wissensmanagement waren die Themen der Stunde.

Michael Fuchs: Wie bist du zu dieser Rolle gekommen?

Anja Schneider: Die SAP hat zu dem damaligen Zeitpunkt Industrieexpertise gesucht, und ich verfügte als Diplom Verwaltungswirtin über relevante Kompetenzen vereint mit Technologie-und Innovationsbegeisterung. Mittlerweile haben wir Lösungen für 25 unterschiedliche Industrien. Und die werden nicht im Elfenbeinturm, sondern sehr nah am Kunden entwickelt. Genau das ist es, was ich an SAP immer schon geschätzt habe und bis heute schätze – diese Industrieexpertise, die Nähe zum Kunden und die Ergebnisse, die wir mit unseren Kunden erzielen. Wir helfen unseren Kunden das Beste aus sich herauszuholen, agil zu skalieren, die Wertschöpfungskette zu optimieren und nachhaltiger zu werden. Unser Beitrag ist es als führender Anbieter von Unternehmenssoftware, Business KI zu liefern, die all dies unterstützt.

 

Karriereturbo Kundenfokus

Michael Fuchs: Was waren dann die prägendsten Rollen auf deinem Karriereweg?

Anja Schneider: Als ich bei SAP angefangen habe, dachte ich: Na ja, das machst du jetzt mal so zwei Jahre, dann geht es wieder zurück. 25 Jahre später bin ich immer noch hier – ich habe das Komma halt einfach ein bisschen versetzt. Denn meine Tätigkeit bei SAP macht mir bis heute unglaublich viel Freude.

Am stärksten geprägt hat mich die Arbeit mit dem Kunden. Ich war zunächst für eine Industrie verantwortlich, dann für mehrere Industrien, für ein ganzes Technologieportfolio (mit SAP NetWeaver damals), die Region MEE, danach für die beiden Regionen EMEA und MEE zusammen. Das Portfolio hat sich vergrößert, aber prägend ist immer die Liebe zu Technologie und Kunde geblieben.

Ein weiter prägender Moment war die Geburt meiner Tochter 2008. Nach einem Jahr Elternzeit bin ich mit noch mehr Fokus und Leidenschaft richtig durchgestartet. Ich kam in ein High-Potential-Programm, was mir den Weg für spätere Stationen, geebnet hat. Als Teil des Programms habe ich mit meiner Kundenerfahrung das Thema Transformation aus einer Business-Consulting-Sicht betrachtet.  Anschließend durfte ich zwei Vorstandsbereiche mit aufbauen und schließlich im neu gegründeten Vorstandsbereich für Applikationsentwicklung den COO-Bereich unterstützen. Diese unterschiedlichen Aufgaben und Blickwinkel haben mich sehr geprägt, aber immer mit dem Kundenimpact als Kernaspekt und wie wir Mehrwert für die Kunden sichtbar und greifbar machen können und den Zugang zur Technologie und Anwendungen erleichtern.

 

Verschiedene Perspektiven – immer mit Kundenfokus

Michael Fuchs: Eine Wahnsinnskarriere! Dabei hat das Handelsblatt vor wenigen Monaten noch berichtet, es sei kaum mehr möglich, in einem einzelnen Unternehmen Karriere zu machen – Du bist ein prominentes Gegenbeispiel. Was tut SAP dafür, dass solche Karrieren möglich sind?

Anja Schneider: Es gibt verschiedene Programme zur Talentförderung bei SAP, noch wichtiger ist aber das Umfeld im Unternehmen. Für mich gab es zum Beispiel im Laufe meiner vielen Positionen die Möglichkeit, für ein halbes Jahr ein Fellowship in einem anderen Bereich des Unternehmens zu machen, und so unser Geschäft aus verschiedenen Perspektiven zu erleben. Das hat mir gezeigt, welche Fähigkeiten man als Führungskraft jenseits klassischer Skills braucht: Pattern-Erkennung, Transferleistung, aus dem eigenen Expertentum aussteigen, es aber nicht vergessen, Dinge vernetzen. Diese Möglichkeiten stehen als Teil der Unternehmens- und Learningkultur mittlerweile allen Mitarbeitern weltweit zur Verfügung. Aber es bedeutet auch einen großen Einsatz zu bringen und Verantwortung zu übernehmen. Neue Themenfelder zu gestalten und Erfolge über vernetzte Teams zu erzeugen.

So hat eins das andere ergeben. Wichtig ist, dass man sich bei der eigenen Karriereplanung bewusst macht: Was ist der rote Faden? Worin ist man stark? Wo muss man dazulernen? Und dass man diese Puzzlestücke zusammenlegt. Aus der eigenen Komfortzone rauszusteigen und neue Herausforderungen anzunehmen, ist was Wachstum erzeugt und die Lernkurve extrem nach oben bringt. Bei SAP hatte ich immer die notwendige Unterstützung, die man für’s Wachstum braucht.

Michael Fuchs: Was waren rückblickend die größten Herausforderungen auf deinem Karriere-Weg?

Anja Schneider: Sicherlich, dass man nach einer erfolgreichen Transformation Dinge abschließen und sie wieder in einen normalen Linienbetrieb übergeben muss. Oft wachsen einem Themen ans Herz. Dann den nächsten Schritt zu gehen und zu sagen: Dieses Paket habe ich geschnürt, jetzt lasse ich es los, ist schwierig. Aber man lernt dadurch auch unglaublich viel. Nur so kann man skalieren. Das ist was wir brauchen.

Was man dagegen auf gar keinen Fall loslassen darf, ist das Commitment zum Kunden. Das ist etwas, was ich ganz am Anfang meiner SAP-Karriere gelernt habe. Dass unsere Gründer in den Anfängen selbst im Unternehmen aktiv waren, hat SAP groß gemacht und der Kunde war immer im Zentrum. Das steckt tief in meiner DNA. Wenn das Herz für den Kunden und Partner da ist, kann man unglaublich viel bewegen.

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In der heutigen, enorm schnelllebigen, Zeit geht es darum, Dinge auf neue Art zu tun, Durchbrüche zu schaffen. Wir haben zum Beispiel im Plattformbereich sehr früh auf Consumption-based Modelle gesetzt – Pay-as-you-go, Free Tier. Damals war das komplett neu, keiner wusste, ob es dafür überhaupt Bedarf gibt. Heute sieht man, dass es nicht nur ein Trend war, sondern für Kunden und SAP essenziell ist. Sowas zu erkennen und dann auch durchzuhalten, das prägt.

Übertragen auf die Cloud-Welt sind Flexibilität und der einfache Zugang gefragt.  Im Rahmen von Agentic AI stehen heute wieder neue Anforderungen im Fokus. Die tiefe Integration in Geschäftsprozesse und der Zugang zu verlässlichen Daten sorgen dafür, dass AI-Szenarien nachhaltig umsetzbar sind. Und einmal mehr machen Neugier, Technologiezugang und Kundennähe einen Unterschied. Das fasziniert mich.

 

Moderne Führungskultur zahlt sich aus

Michael Fuchs: Was bedeutet Karriere für dich persönlich?

Anja Schneider: Karriere ist für mich: zufrieden sein mit dem, was man erreicht, dazulernen, etwas weitergeben und sich immer wieder neu erfinden. Etwas Neues gestalten zu können, ist magisch und erfordert natürliche Neugier. Das kann auf verschiedenen Ebenen passieren: Man kann Experte in einem Thema werden. Man führt eine große Organisation. Oder man geht auf einen anderen Kontinent und gewinnt neue Erkenntnisse. Es braucht für jeden eine sehr individuelle Betrachtung. Denn jeder Schritt prägt und sollte das eigene Profil komplementieren.

Michael Fuchs: Du stehst bei der SAP auch für moderne Führungskultur. Wie führst du deine Teams? Wie nimmst du junge Talente mit?

Anja Schneider: Da müssten wir wahrscheinlich die jungen Talente fragen. Aber ich würde sagen: Kooperativ, kollaborativ, herausfordernd. Ich versuche, das Beste aus den Kolleginnen und Kollegen heben und so ein Team zusammenzubringen, das sich ergänzt und durchaus aus diametral verschiedenen Charakteren besetzt sein kann und soll. Das braucht Durchhaltevermögen, macht aber auch viel Freude und man muss auch Herausforderungen an andere weitergeben können.  Ich würde sagen, mein Motto ist „Be Brave and push it forward“. Das gebe ich allen meinen Kollegen mit.

Michael Fuchs: Was würdest du SAP-Einsteigern raten?

Anja Schneider: Mutig, neugierig und committed zu sein. Sich etwas zu trauen. Am Ball zu bleiben, bis ihn jemand anderes übernimmt. Aber auch, nicht zu viel über die eigene Karriere nachzudenken, sondern sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Im SAP-Umfeld also auf den Kunden oder Partner.

In der komplexen SAP-Welt ist außerdem ein gutes Netzwerk von unschätzbarem Wert. Es gibt niemanden, der alles weiß! Ebenfalls wichtig: Nicht nur nehmen, sondern auch geben. Die Erfahrung zeigt: Wenn man etwas abgibt, bekommt man es zwei- oder dreifach zurück. Das ist ein fantastisches Learning.

Michael Fuchs: Da stimme ich dir uneingeschränkt zu! Vielen Dank Anja, für diese spannenden Einblicke in deine sehr beeindruckende SAP-Karriere. 

 

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