DSAG-Investitionsreport 2026: KI wird zur strategischen Bewährungsprobe für SAP

DSAG-Investitionsreport 2026: KI-Bewährungsprobe für SAP

Es ist zunächst ein positives Signal aus dem aktuellen Investitionsreport der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG): Die IT- und SAP-Budgets steigen weiter, wenn auch etwas verhaltener als noch 2024 und mit klarer Priorisierung. Investitionsentscheidungen folgen wirtschaftlicher Tragfähigkeit, Integrationsfähigkeit, Planbarkeit und sicherheitsrelevanten Anforderungen. Visionen allein reichen nicht.

Auffällig ist dabei neben der weiterhin eher zurückhaltenden SAP-Cloud-Dynamik  vor allem die strategische Verschiebung beim Thema Künstliche Intelligenz. An der Umfrage teilgenommen haben 198 SAP-Anwenderunternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

 

SAP S/4HANA: On-Premises bleibt Investitionsschwerpunkt

42 Prozent der Befragten planen hohe oder mittlere Investitionen in S/4HANA On-Premises. 22 Prozent setzen auf Private-Cloud-Modelle, lediglich 6 Prozent auf die Public Cloud. Die vielfach erwartete Beschleunigung in Richtung der SAP Public Cloud bleibt damit aus. Unternehmen priorisieren Stabilität, funktionale Tiefe und Investitionsschutz.

DSAG-Vorstandsvorsitzender Jens Hungershausen ordnet ein: „Die vergleichsweise geringe Investitionsbereitschaft in die Public Cloud zeigt, dass hier aus Kundensicht noch funktionale Tiefe, Integrationsfähigkeit und verlässliche Rahmenbedingungen entscheidend sind.“ Wichtig bleibe die echte Wahlfreiheit zwischen den Betriebsmodellen bei klarer Roadmap und Planungssicherheit.

Zugleich planen zahlreiche ECC-Anwender ihre Migration erst bis 2030 und nehmen höhere Wartungskosten in Kauf. Das ist weniger Zögern als ein Spiegel der realen Gegebenheiten: komplexe Systemlandschaften, Fachkräftemangel und parallele Transformationsprogramme begrenzen die Geschwindigkeit.

Die Cloud erscheint damit weniger als strategischer Differenzierungsfaktor. Sie ist für viele ein Betriebsmodell.

 

KI-Nutzung vor allem außerhalb des SAP-Kerns

43 Prozent der Unternehmen haben bereits KI-Use-Cases produktiv umgesetzt. KI ist also angekommen in den Unternehmen. Die technologische Verteilung zeichnet jedoch ein deutliches Bild außerhalb der SAP-Vision einer intelligenten Business Suite: 77 Prozent dieser Szenarien laufen mit Non-SAP-Lösungen, 3 Prozent mit SAP. Die SAP-basierte KI spielt im operativen Einsatz bislang eine untergeordnete Rolle.

Jens Hungershausen verweist hier auf die unterschiedlichen Anforderungen: „Für einen Use-Case im SAP-Umfeld gelten andere Anforderungen als für die Nutzung von Standardlösungen auf der Basis von Large-Language-Modellen.“ Ein Argument, das nicht von der Hand zu weisen ist: KI im ERP-Kern erfordert höhere Ansprüche an Datenqualität, Governance und Integration.

Die Innovationsgeschwindigkeit entsteht derzeit also häufig außerhalb des SAP-Stacks. Für Entscheider stellt sich damit eine strukturelle Frage: Bleibt KI eine Parallelarchitektur neben dem ERP – oder wird sie integraler Bestandteil der Kernprozesse?

 

SAP Business AI: Potenzielle Alleinstellung mit strukturellem Dilemma

Strategisch verfügt SAP mit SAP Business AI über einen klaren Hebel: tief integrierte Prozessintelligenz im ERP-Kontext. Gelingt es, diese generative künstliche Intelligenz nicht als Zusatzfunktion, sondern als eingebettete End-to-End-Logik zu etablieren, könnte hier ein belastbares Alleinstellungsmerkmal und damit großes Potenzial für Unternehmen mit einer SAP Cloud-ERP-Landschaft entstehen.

Hier liegt gerade offensichtlich die strategische Herausforderung für Unternehmen und die potenzielle Last einer möglicherweise nicht ganz erfüllten KI-Vision von SAP: 42 Prozent der Investitionen fließen gerade noch in On-Premises-Systeme. Wer stark On-Premises modernisiert, entfernt sich strukturell von den SAP-Cloud-Innovationszyklen. KI ist dann zwar nutzbar – aber nicht als integrierte ERP-Prozessintelligenz.

 

Die eigentliche Transformationsfrage

Der Investitionsreport zeigt insgesamt keine SAP-Abkehr. Er zeigt Priorisierung. Ähnlich wie in den Vorjahren geben 36 Prozent an, dass die SAP-Relevanz im Unternehmen zunimmt, bei 48 Prozent bleibt sie gleich und bei nur 16 Prozent nimmt sie ab. SAP bleibt also wichtig für Unternehmensprozesse – aber nicht als strategischer Hebel durch einen Gang in die Cloud. Die zentrale Bewegung liegt bei der Vorbereitung auf KI-gestützte Wertschöpfung.

Dabei geht es nicht ausschließlich um unmittelbaren Return on Invest, aber um klare Mehrwerte. Der Wert von KI kann in schnelleren Entscheidungszyklen, besserer Datennutzung und der Vorbereitung neuer Geschäftsmodelle liegen. Viele KI-Initiativen sind Optionsinvestitionen.

Für SAP bedeutet das:

  • Business AI muss wirtschaftlich nachvollziehbar im Prozesskern verankert werden.
  • Lizenz- und Integrationsmodelle dürfen Innovation nicht bremsen.
  • Cloud-Architekturen müssen als Innovationsplattform überzeugend wirken.

Für SAP-Anwenderunternehmen gilt:

  • KI darf kein isoliertes Experiment bleiben.
  • Clean-Core-Strategien und Datenmodelle müssen skalierfähig sein.
  • Wer dauerhaft On-Premises-orientiert bleibt, sollte die langfristige Innovationsfähigkeit der eigenen Architektur kritisch prüfen.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, wer zuerst die SAP-Cloud eingeführt hat. Es geht vielmehr darum, die Prozess- und Datenintelligenz so aufzustellen, dass KI zum tragfähigen Bestandteil der Wertschöpfung wird.

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