Die Handlungsfelder Künstliche Intelligenz, Daten und Security waren die große Klammer der diesjährigen Technologietage der Deutschen SAP-Anwendergruppe e.V. (DSAG). Sie stehen für eine Neuordnung von Wertschöpfungsketten und damit auch IT-Architekturen. Während sich die Möglichkeiten mit KI rasant weiterentwickeln und Security erstmals auf Augenhöhe in den Vordergrund rückt, wird auch deutlich: Die Umsetzungslücke zur SAP-Innovationsgeschwindigkeit wächst. Gleichzeitig boomen schnell umsetzbare KI-Eigenentwicklungen.
Mit 3.300 Kongressteilnehmern verzeichneten die Technologietage vom 17.-18. März 2026 einen neuen Besucherrekord. Erstmals wurden auch Arbeitskreissprecher in die Keynote eingebunden und ein Gewinnerteam eines KI-Hackathons unter Studenten ausgezeichnet.
KI, Data, Security: Strategie klar, Umsetzung komplex

Stefan Nogly, DSAG-Fachvorstand für Technologie, beschrieb in seiner Keynote die Ausgangslage mit Blick auf die Dynamik der Entwicklung. Datenmengen und Rechenleistung wachsen exponentiell, gleichzeitig entstehen mit KI-Agenten neue digitale Akteure. Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines: Die Komplexität steigt schneller als die Fähigkeit, sie zu beherrschen.
Die strategische Richtung von SAP bewertet Nogly grundsätzlich positiv. Entscheidend sei jedoch, was davon in der Praxis ankommt.
KI-Eigenentwicklungen werden zum Normalfall
Ein zentrales Muster zieht sich durch viele Diskussionen in Hamburg. Unternehmen warten nicht auf vollständig verfügbare SAP-KI-Lösungen. Sie handeln und entwickeln eigene KI-Ansätze, bauen Agenten und schaffen sich so kurzfristig funktionierende Lösungen.
Nogly beschreibt diese Entwicklung so: Die Einstiegshürden bei SAP seien weiterhin hoch. Es gebe technologische, aber auch kommerzielle Gründe dafür. Das Problem zeige sich oft erst im zweiten Schritt, denn was als pragmatische Lösung beginne, werde schnell zur dauerhaften Struktur.
Parallel dazu entstehen zunehmend KI-Szenarien außerhalb des SAP-Standards. Non-SAP-Lösungen sind in vielen Unternehmen längst Realität. Nicht unbedingt als strategische Abkehr, sondern als Reaktion auf Zeitdruck und Umsetzungsanforderungen.
SAP teilt interne Transformation
SAP CTO Dr. Philipp Herzig spricht die Umsetzungslücke in seiner Keynote offen an und nutzt die SAP-interne Transformation als Beispiel für ein mögliches Vorgehen. Es ginge nicht darum, erst zu modernisieren, um dann den KI-Mehrwert zu bekommen. Stattdessen soll Wertschöpfung parallel zur Transformation entstehen. Was nicht im Standard zur Verfügung steht, wird zunächst individuell entwickelt, um später wiederum durch den Standard ersetzt zu werden.
„Bevor eine selbst entwickelte KI-Lösung entsteht, sollten Unternehmen Mehrwert, Kosten und auch Sicherheitsaspekte prüfen“, empfiehlt Maike Rose, Chefredakteurin und Geschäftsführerin beim IT-Onlinemagazin.
SAP-Strategie: Nordstern-Architektur löst AI-first ab
Es ist keine Änderung der SAP-Strategie, aber eine Nuancierung, die für Unternehmen bald ein verständlicheres Bild der SAP-Vision vermitteln könnte: Herzig spricht nicht mehr über das Ziel „AI first“. Es ist nun von einer North-Star-AI-Architektur die Rede.

Mit ihr beschreibt SAP eine zukünftige, KI-native Systemlandschaft. Anwendungen, Daten und KI sollen enger zusammenwachsen. Systeme entwickeln sich stärker kontextbasiert weiter, um Entscheidungen aktiv zu unterstützen. Der Weg dorthin bedeutet ein kontinuierliches Anpassen an neue Anforderungen, das strategische Ziel bleibe klar definiert und transparent für Unternehmen zur weiteren Unterstützung in der schrittweisen Transformation. Mehr Informationen dazu kündigt Herzig für die kommende Sapphire an.
Datenqualität wird zum Engpass
Die Diskussion um KI verlagert sich zunehmend auf ihre Voraussetzungen. Nogly bringt es auf den Punkt. KI scheitert „nicht an der Rechenleistung und auch nicht an der Anzahl der Daten“, sondern „an der Zuverlässigkeit und der Genauigkeit dieser Daten“. Ein klassisches Problem der Datenqualität hat jetzt also noch grundlegendere Auswirkungen: Unternehmen müssen die KI-Readiness ihrer Daten angehen.
Security ist eine Systemfrage
Ähnlich deutlich fällt die Einordnung beim Thema Sicherheit aus. „Security ist kein Patch.“ Für Nogly ist diese Aussage aktueller denn je. Mit steigender Komplexität, mehr Schnittstellen und neuen KI-basierten Interaktionen wächst die Angriffsfläche. Sicherheit sollte damit als eine grundlegende Eigenschaft von Systemarchitekturen mitgedacht sein. Wie arbeiten KI-Agenten? Welche Daten nutzen sie und welche Richtlinien und Heuristiken steuern Entscheidungen? Damit Unternehmen das besser verstehen, fordert die DSAG hier, gemeinsam mit SAP Best Practices und Referenzartefakte für die Betriebs- und Governance-Modelle zu erarbeiten und veröffentlichen.
SAP Joule im User Interface – mit Fiori im Unterbau
Umsetzung wird zum Differenzierungsfaktor
Die Technologietage zeigen insgesamt keine neue technologische Richtung. Künstliche Intelligenz ist nicht mehr wegzudenken. Sie trifft vor allem im SAP-Kontext nur weiterhin auf technologische Hürden und kommerzielle Entscheidungsbremsen. Die Herausforderung liegt jetzt in der Umsetzung und wie es den SAP-Anwenderunternehmen gemeinsam mit SAP und SAP-Partnern gelingt, künstliche Intelligenz für klare Business-Mehrwerte zu nutzen. Der Erfolg von SAP-Transformationen wird sich in den kommenden Jahren nicht an der weiteren Geschwindigkeit der Innovation, sondern an ihrer Wirksamkeit im operativen Betrieb messen lassen.
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