DSAG Jahreskongress 2014: Rückblick und Highlights

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Posted 29. Oktober 2014 by Redaktion IT-Onlinemagazin in IT-Leiter

Der DSAG Jahreskongress erfreute sich auch 2014 großer Beliebtheit in der SAP-Community, denn er bringt die SAP Anwender, die SAP Partner und den Hersteller SAP in hervorragender Weise zusammen. Rund 4.000 Teilnehmer und 175 Aussteller waren in Leipzig – Helge Sanden, der Chefredakteur des IT-Onlinemagazins hat für Sie die Keynotes besucht und sich in der Ausstellung umgeschaut:

 

SAP HANA und Cloud noch nicht bei Anwendern angekommen

DSAG Jahreskongress 2014Die Trendthemen HANA und Cloud werden derzeit zwar bei den Anwenderunternehmen diskutiert, aber sind nicht so weit, wie sich der Hersteller SAP das wünschen mag. Eine DSAG Investitionsumfrage im Sommer 2014 ergab, dass lediglich fünf Prozent der Befragten ERP in der Cloud in den nächsten fünf Jahren für ein realistisches Szenario halten. Die Zahlen decken sich auch mit den Ergebnissen unseres SAP Investitionsmonitors 2014. Immerhin 18 Prozent der befragten CIOs erwägen, hybride Teil-Modelle einzusetzen. Cloud wird derzeit offenbar mehr als Beschleuniger für Projekte gesehen, da Fragen des Betriebs ausgeblendet werden können. Vorteile werden durch die schnelle Bereitstellung neuer Funktionen und beim einfachen internationalen Einsatz gesehen.

 

Cloud Knackpunkte: Eigenentwicklungen, Schnittstellen und Sicherheit

Die breitere Akzeptanz von „ERP aus der Cloud“ wird davon abhängen, wie SAP mit Anpassungen und Eigenentwicklungen umgehen wird, und wie einfach die Integration von Schnittstellen wird. Wenn das nicht gelingt, ist ERP aus der Cloud eher für den Hersteller als für den Kunden attraktiv, da Lösungen von der Stange dann nur für die unkritischen Prozesse passen. Generell muss auch der Schutz von geschäftskritischen Informationen, Interna und des geistigen Eigentums in der Cloud sichergestellt werden. Unser Fazit: Es gibt noch viel zu tun.

 

SAP HANA als Innovationstreiber?!

Nach Angaben der DSAG ist die SAP Business Suite on HANA derzeit für 80% der Unternehmen kein Thema. Als Hauptgründe sehen die Befragten unklare Business-Cases und fehlendes Potenzial für Prozessverbesserungen durch die Innovation.

Otto Schell, Mitglied des DSAG Vorstands, brachte es auf den Punkt: „Wo kein Problem ist, solle man nicht nach Lösungen suchen“. Bei vielen Anwenderunternehmen funktionieren die Prozesse gut und der Bedarf an Innovation ist daher gering. Die DSAG wünscht sich für SAP HANA übertragbare Lösungen und Innovationspotenziale für Standard-Geschäftsprozesse.

So lange die nicht vorhanden sind, genießt offenbar die Konsolidierung derzeit klaren Vorrang. Auch diese Ergebnisse decken sich mit unseren Investitionsmonitor, bei dem 38% der Befragten angaben, dass sie derzeit am meisten in die Konsolidierung ihrer SAP Landschaften investierten und nicht in Innovationen. Die SAP hat beim DSAG Kongress veröffentlicht, dass die Wartung für die Business Suite bis 2025 zugesichert wird – bei gleichzeitiger Preisstabilität von 22%.

 

Neue SAP Benutzeroberflächen sollen alle Tätigkeiten am Arbeitsplatz abdecken

Innovationen im „Maschinenraum“ werden von vielen Anwendern gar nicht so wichtig betrachtet. Für sie ist es relevanter, wie sich SAP am eigenen Arbeitsplatz darstellt. In Vorträgen konnte man bereits viele neue SAP Fiori Oberflächen sehen. Fachbereiche und Anwender erwarten hier jedoch von den SAP Lösungen, dass sich alle Tätigkeiten am jeweiligen Arbeitsplatz mit neuen und modernen Benutzeroberflächen bedienen lassen. Die neuen „simple“ Module der SAP, die allerdings nur für HANA Kunden nutzbar sind, sollen diesen Bedarf ebenfalls decken und die Benutzung vereinfachen. Simple Finance ist bereits verfügbar.

 

Mobile SAP Lösungen

„Mobile“, ein wichtiges Trendthema der letzten Jahre, stand marketingtechnisch beim diesjährigen Jahreskongress eher im Hintergrund – vielleicht ein Zeichen dafür, dass es im Markt angekommen ist und von den Kunden als selbstverständlich vorausgesetzt wird.

Der Anbieter Membrain zeigte auf dem Jahreskongress prozess- und modulübergreifende mobile Lösungen, die end-to-end vom Vertrieb bis in die Logistik reichen können – bei technischer Unabhängigkeit von der mobilen Plattform (Android, iOS, Windows Mobile) und nach eigenen Angaben auch mit SAP HANA nutzbar.

 

SAP-Sicherheit und Compliance

Das Thema Sicherheit wurde aus vielen Perspektiven beleuchtet. Virtual Forge zeigte mit einem zweistufigen Lösungsansatz, wie man ABAP Codequalität und Sicherheit gleichermaßen erhöhen kann – und führte im Live-Hacking vor, wie leicht man viele in Systeme eindringen könnte.

SAP stellte in Leipzig eine HANA Anwendung vor, mit der IT-Leiter die Sicherheit ihrer Landschaften erhöhen können: „Enterprise Threat Detection“ soll in Echtzeit ungewöhnliche Aktivitäten und Verhaltensmuster im SAP System erkennen, beispielsweise den Datenabfluss oder ungewöhnliche Zahlungsanweisungen. Verdachtsfälle werden klassifiziert und können sofort von Experten bewertet werden, um gegebenenfalls Transaktionen zu unterbinden. Das ist eine interessante Anwendung, die erst durch die In-Memory Technologie möglich wurde und konkrete Kundenanforderungen umsetzt.

PBS kündigte leicht integrierbare Compliance Lösungen an, mit den in Archiv-Dateien Datensätze verschlüsselt (z.B. Kreditkartendaten), anonymisiert oder gelöscht werden können, beispielsweise wenn personenbezogene Daten gemäß BDSG nach vorgegebener Zeit zu löschen sind.

 

Angebote für SAP HANA

DSAG Jahreskongress 2014 AusstellungDataVard zeigte ein neues Release vom SAP Systemmonitor Canary Code, einem Frühwarnsystem mit der man nun auch Verfügbarkeit, Performance und Sicherheit von SAP HANA Systemlandschaften überwachen kann. „Echtzeitverarbeitung sorgt auch dafür, dass sich der Systemstatus sehr schnell ändern kann“, erläuterte DataVard CEO Gregor Stöckler in Leipzig. Für einen Kunden hat man 46 vordefinierte KPI für den SAP HANA Betrieb optimiert.

Die HANA Alliance präsentierte ihren ganzheitlichen Ansatz zur Beratung bei HANA Szenarien, der von der Entwicklung und Bewertung von Business-Cases, Analysen, Tests von HANA im eigenen Testlabor mit kundeneigenen Daten und der Entwicklung von Betriebskonzepten reicht. Damit sollen HANA Interessenten Investitionsvorhaben validieren und besser absichern können.

Empirius kündigte beim Jahreskongress ein Produkt für SAP HANA Systemkopien an, das bis Ende 2014 zur Verfügung stehen soll. Schon heute kann mit „Blue Migration“ die Systemmigration in die Cloud verbessern und mit „Blue Landscape Copy“ mehrere SAP-Systeme und ganze Systemlandschaften kopieren.

 

Konsolidierung von SAP Umgebungen

Every Angle zeigte, wie man mehrere, in der Welt verteilte, Systeme konsolidieren kann. Der SAP Monitor kann in derartigen Szenarien die Transparenz über die Prozesse erhöhen und dabei helfen herauszufinden, wie die Ausgangssituation ist, was noch benötigt wird und wie man die Vereinfachung schafft. In einem Kundenprojekt wurden so 20 Systeme auf 3 Systeme konsolidiert.

SNP Schneider-Neureither & Partner kann Transformationsprojekte, also Strukturänderungen, Harmonisierungen, Carve Outs, Migrationen oder Konvertierungen mit Softwareunterstützung vereinfachen: Diese Produkte kann der Kunde oder jeder interessierte Partner einsetzen. Nützlich ist auch ein weiteres Produkt, das die Testdatenbereitstellung zu jedem Zeitpunkt eines Projekts ermöglicht – die Testdaten können auch maskiert und anonymisiert werden, was aus Datenschutz- und Compliance Gründen sehr wichtig ist.

KAMMACHI Consulting kümmert sich um die Verbesserung der Datenqualität – auch in Konsolidierungsprojekten, beginnend mit Analysen zur Qualität, über Konzepte zur Qualitätsverbesserung bis zum Einsatz von Werkzeugen. Insbesondere bei Mergern ist es wichtig konzeptionell darüber nachzudenken, wie Qualität von Stammdaten und Bewegungsdaten gesichert wird.

 

SAP Prozessoptimierung und Automation

„Workload Automation“ hieß ein Hauptthema bei arvato systems: Wie kann man den IT-Betrieb standardisieren und automatisieren? Streamworks liefert hier viele Möglichkeiten zur Steuerung Standardisierung und Automatisierung von Rechenzentrumsprozessen. Das soll für Mitarbeiter im SAP Basisbetrieb, der immer aufwändiger wird, Entlastungen und Freiräume für andere Tätigkeiten schaffen – und auch die Qualität verbessern.

Notable Solutions, mittlerweile ein Unternehmensteil von Nuance, ist weder Archivanbieter noch DMS Anbieter, wie häufig vermutet wird. Das Unternehmen schafft vielmehr in SAP integrierte, fertig nutzbare Lösungen für Dokumentenlogistik, beispielsweise für die Lieferscheinerfassung oder den Reisekostenprozess. Dabei wird der gesamte Prozess, bestehend aus Scannen, Erfassen, Ablegen und Weiterleiten von Papier- und digitalen Dokumenten, automatisiert und optimiert.

Lösungen zur Automatisierung von Routineprozessen gab es auch bei honico zu sehen: BatchMan ermöglicht die zentrale Einplanung und Steuerung von Prozessen, ein Monitoring über alle Systeme, das die Übersicht verbessern soll, und die prozessorientierte oder die asynchrone Verarbeitung von Prozessen.

KGS Software präsentierte eine Produktsuite zur Senkung der Betriebskosten und zur Verschlankung der Systemlandschaften. Der Anbieter treibt mit Ablöseprojekten bestehender ECM-Landschaften einen Paradigmenwechsel bei der SAP-Archivierung voran und bietet den KGS Content Server, der sich für Kunden nach eigenen Angaben innerhalb von 2-5 Jahren amortisieren soll.

 

E-Mail, Outlook, Notes und Excel mit SAP verbinden

GEDYS IntraWare präsentierte erstmals beim DSAG Kongress sein Produkt „Business E-Mail“, mit dem man im E-Mail Client für Outlook und Notes Zugriff auf beliebige SAP-Objekte hat. Vom E-Mail Programm kann man sich direkt die zugehörige SAP Transaktion ansehen, beispielsweise im Vertrieb Angebote zu Aufträgen machen. Versehen mit SSO kann man in vielen Fällen täglich sicher viele Mausklicks sparen. Das Produkt lässt sich nach Herstellerangaben sehr schnell produktiv nutzen, oft schon nach einem halben Tag, was es zusätzliches Argument für die Nutzung sein könnte.

Die Kern AG integriert EXCEL für die Kostenplanung in die SAP Umgebung. Jeder kann EXCEL für die einfache und schnelle Datenerfassung nutzen. Aggregiert in einem Tool lassen sich acht SAP Module bedienen. Die Navigation geschieht über Excel – von Planzahlen gelangt man per Drilldown zu Detailtabellen. Ein Vorteil der Lösung: alle Daten werden ausnahmslos in SAP gespeichert.

 

SAP Lizenzoptimierung

Snow Software, besser bekannt als ehemalige Intelligent Licensing, präsentierte in Leipzig ein zentrales Werkzeug zur Verfolgung und Dokumentation von Lizenzberechtigungen. Es ist SAP agentenlos, was einen schnellen Rollout ermöglicht und kann auch große Systemlandschaften mit riesigen Datenmengen analysieren, um die tatsächliche Lizenznutzung zu ermitteln. Damit sollen sich Risiken bei Software Audits senken lassen.

 

DSAG will Zusammenarbeit von Fachbereichen und IT fördern

DSAG-Marco-Lenck

Etwa 10% der Besucher beim Jahreskongress kommen aus den Fachbereichen. Daran will die DSAG arbeiten und ihre Bekanntheit außerhalb der IT steigern, damit Fachbereiche und IT enger und gemeinsam an Strategien für die Nutzung von Innovationen und nachhaltigen Investitionen arbeiten. Man könne beobachten, dass Fachbereiche Entscheidungen über Technologien selbst treffen und erst dann die IT informieren, merkte Dr. Marco Lenck, Vorstandsvorsitzender der DSAG, in Richtung der CIO´s kritisch an. Deren Rolle werde sich in den nächsten Jahren stark ändern.

 

Wir freuen uns schon heute auf den kommenden DSAG Jahreskongress, der vom 29. September bis 1. Oktober 2015 in Bremen stattfinden wird.

 

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Das IT-Onlinemagazin ist Medienpartner der DSAG Technologietage 2017:

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