DSAG fordert Vorlagen und Migrationspfade für datengetriebene Unternehmen

Die Rolle von Analytics und Reporting, Möglichkeiten zur Cloud-Nutzung und Differenzierungen durch side-by-side Entwicklungen stellte Steffen Pietsch, Technologie-Vorstand der DSAG, in den Mittelpunkt seiner Keynote bei den virtuellen DSAG-Technologietagen 2021. Wir haben die Inhalte und Erkenntnisse kompakt zusammengefasst.

 

DSAG sieht Handlungsbedarf im SAP Data-Warehouse Portfolio

Datengetriebene Unternehmen brauchen ein starkes Analytics-Portfolio für den klaren Blick auf die wichtigen Steuerungsgrößen im Unternehmen und datenbasierte Entscheidungen. Die DSAG sieht das analytische Front-End SAP Analytics Cloud (SAC) auf einem guten Weg: Es wird zum Standard-Frontend in den SAP-Anwendungen, rund 14 Prozent der SAP-Kunden planen laut DSAG-Investitionsreport hohe bis mittlere Investitionen in diese Cloud-Lösung. Laut SAP hat sich die Zahl der aktiven SAC-Nutzer im Jahr 2020 um den Faktor 2,75 erhöht. Die Lösung kommt offenbar gut an.

Kritisch stellt sich für die DSAG die Situation im Backend, also für das SAP Data-Warehouse-Portfolio, dar. SAP bietet On-Premise das BW/4HANA als Data-Warehouse-Lösung und ergänzend die Data-Warehouse-Cloud an. Der Umstieg für SAP-Bestandskunden ist zum Teil mit doppelten Lizenzkosten verbunden: In der Vergangenheit waren die Nutzungsrechte für das Business Warehouse in der Business Suite Lizenz enthalten. Für SAP Analytics Cloud, BW/4HANA und die Data-Warehouse-Cloud sind jedoch zusätzliche Lizenzen erforderlich, was Investitionen nicht leichter macht.

SAP Data Warehouse Cloud Journey
SAP DWC Customer Journey (Quelle: SAP)

Nach DSAG-Meinung weist die Roadmap für BW/4HANA wenig Innovation auf und der Weg über eine Migration sei nicht immer einfach. SAP-CTO Jürgen Müller verwies auf die hybride Nutzung, also die Kombination von SAP BW/4HANA und SAP Data-Warehouse Cloud, wie beispielsweise Porsche sie einsetzt. Zusätzlich stellte er für die Zukunft einfachere technische Migrationen und auch angepasste kommerzielle Bedingungen in Aussicht — bis dahin wird man bei Investitionen vermutlich individuelle Verhandlungen und Vereinbarungen mit der SAP treffen müssen.

 

Sichere Transformationspfade in die Cloud gewünscht

In der Covid-Krise hätten viele Unternehmen ohne Cloud-Lösungen vermutlich nicht ihre Handlungsfähigkeit behalten können. Cloud-Lösungen liefern auch schnellere Innovationszyklen und erhöhen die Veränderungsgeschwindigkeit. Aber Lizenzmodelle und Migrationsaufwand müssen im Einklang mit dem zu erzielenden Mehrwert stehen.

Laut DSAG muss SAP für Klarheit sorgen, sodass die Kunden auf der Basis von Produktvisionen und Roadmaps bewusste Entscheidungen treffen können. Nur so lassen sich IT-Strategien und die Evolution des SAP-Portfolios in Einklang bringen.

Die SAP Business Technology Platform (BTP) (früherer Name: SAP Cloud Platform) ist ein zentraler Baustein, um hybride SAP-Systemlandschaften zu integrieren und zu erweitern. Um architektonische Fehler zu vermeiden, wünscht sich die DSAG deutlich mehr Orientierungshilfen, z. B. in Form von Referenzarchitekturen. Darüber hinaus muss angesichts der rasanten technologischen Weiterentwicklung Investitionssicherheit gewährleistet und das Vertrauen in die Plattform weiter gestärkt werden. Und die DSAG wiederholt in diesem Zusammenhang, nicht die On-Premises-Kunden zu vergessen und ihr Mantra „Cloud-First — und nicht Cloud-Only“.

Ein Ziel des letzte Woche angekündigten „RISE with SAP“-Angebots ist, die Migration in die Cloud zu vereinfachen. Hier besteht seitens der SAP-Kunden großer Informationsbedarf, wie die Angebote im Detail aussehen. Auch wir werden in den nächsten Woche hierzu berichten.

 

Differenzierung durch kundenindividuelle side-by-side Erweiterungen

Standard-Software spielt eine wichtige Rolle als Baustein zur Optimierung von Prozessen und um die Effizienz von Unternehmen zu steigern. Um am Markt erfolgreich zu agieren, müssen Unternehmen sich vom Wettbewerb unterscheiden. Dabei sind den Konfigurationsmöglichkeiten einer Standard-Software natürliche Grenzen gesetzt. Um kundenindividuelle Anforderungen umzusetzen, sind starke Entwicklungswerkzeuge und eine passende Entwicklungsplattform erforderlich.

In der Vergangenheit war dies On-Premise mit der Programmiersprache ABAP und den zugehörigen Werkzeugen gegeben. Mit zunehmender Cloud-Nutzung behält ABAP seinen hohen Stellenwert für die Weiterentwicklung von SAP-Systemen, wird aber durch die Möglichkeiten der Business Technology Platform zur Cloud-nativen Entwicklung ergänzt.

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Steffen Pietsch (DSAG)

Um ABAP auch in der Cloud nutzen zu können, hat SAP mit dem ABAP-RESTful-Programming-Model ein Programmiermodell etabliert, das den früheren „Wildwuchs“ im ABAP unterbindet. „Das bedeutet nicht, dass 20 Jahre alter ABAP-Code oder kopierte Z-Reports unangepasst in der Cloud lauffähig sind, aber es ermöglicht Unternehmen das enorme ABAP Know-How auch weiterhin zu nutzen. Allen ABAP-Entwicklern empfehle ich ausdrücklich, sich mit dem Modell zu befassen“, so Steffen Pietsch.

Entwickler müssen für eigenes Coding entscheiden, ob sie ABAP oder die Business Technology Platform nutzen wollen. Side-by-side Erweiterungen mittels BTP haben den Vorteil, dass sie auch nach dem S/4HANA-Umstieg nutzbar sind.

 

SAP One Domain Model erhöht Integrationsgrad

Ein wichtiger Baustein für die out-of-the-box Integrationsfähigkeit des SAP-Lösungsportfolios ist die semantische Harmonisierung, die aktuell mittels SAP One Domain Model (SAP ODM) mit Hochdruck geschieht. Jürgen Müller stellte in Aussicht, dass man nach den Personaldaten- auch die Produktdaten- und Businesspartner-Objekte noch im Jahr 2021 innerhalb der SAP-Produkte harmonisiert haben wird. Damit können sie bei Änderungen automatisch innerhalb der SAP-Lösungen ausgetauscht werden.

Nach dieser Harmonisierung, die vorrangig der SAP-SAP-Kopplung dient, wird es auch Drittanbietern einfacher fallen, sich an SAP-Prozesse anzukoppeln: Er wird dann nur noch „eine“ SAP-Anbindung benötigt, weil das Datenmodell für alle Produkte des SAP-Lösungsportfolios gleich ist. Die SAP-Kunden wird diese Entwicklung freuen.

 

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